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Kino-Zeit - 2.1.2014

 

Leonardo DiCaprio äußert sich zu Vorwürfen
gegen die lockere Moral in "The Wolf of Wall Street"

 

Zwischen den Jahren ist unter US-amerikanischen Kritikern ein hübscher Streit um die Moral in The Wolf of Wall Street entbrannt. Jetzt antwortete Hauptdarsteller Leonardo DiCaprio in einem Interview auf die Vorwürfe.

The Wolf of Wall Street von Martin Scorsese erzählt vom moralisch fragwürdigen Aufstieg und anschließenden Fall des New Yorker Investmentbankers Jordan Belfort und wird trotz mehrheitlich positiver Reaktionen aktuell von einigen Kritikern angegriffen: er feiere zu unreflektiert den zweifelhaften Lebenswandel des Finanzhais. Sogar die Tochter eines früheren Kollegen des echten Belfort schrieb einen offenen Brief, in dem sie anprangerte, dass der Film den Opfern seiner finanziellen Eskapaden nicht genügend Respekt entgegenbringe.

In einem Interview mit Variety erklärte Leonardo DiCaprio nun: "Dieser Film mag von Manchen missverstanden werden; ich hoffe, die Leute verstehen, dass wir sein [Belforts] Verhalten nicht stillschweigend dulden sondern ihn dafür anklagen. Das Buch war ein wagemutiges Märchen und wenn du den Film bis zum Ende schaust, wirst du realisieren, was wir über diese Welt sagen, nämlich dass sie eine Berauschende ist. Ich denke, es ist großartig, dass jemand wie Martin Scorsese noch immer Filme macht, die Gesprächsstoff liefern und ein kontroverses Element in sich tragen und meine Generation ansprechen. Wir sind mit seinen Filmen aufgewachsen und er macht noch immer so etwas wie Punk Rock. Das ist eine großartige Leistung."

Neben dieser Verteidigung seines Regisseurs ging DiCaprio für Deadline noch mehr ins Detail: "Erstens wollten wir keine traditionelle Herangehensweise für diesen Film. Zweitens wollten wir ganz bewusst eine Analyse der Verführungen und des Rausches in dieser Welt des Geldes und des Hedonismus ermöglichen. Wir wollten das Publikum mit auf diese Reise nehmen und so sehen wir die Ausmaße der Zerstörung erst, als am Ende alles implodiert. Das war von unserer Seite her eine sehr bewusste Entscheidung, die Erfahrung sollte so ähnlich sein wie die Einnahme einer Droge [...] Keineswegs ist dieser Film eine Verehrung seines [Belforts] Lebensstils oder irgendeine Werbung dafür, und diejenigen die ihn so verstehen, verfehlen den Punkt total."

Zu guter Letzt lieferte der Darsteller schließlich noch eine Lesart für The Wolf of Wall Street: "Wir haben hunderte von Filmen gesehen, die an diese Art Material sehr viel traditioneller herangehen. Es tut mir leid für jeden, der das fehlinterpretiert, aber der Film ist eine absolute Verurteilung dieser Welt und eine warnende Geschichte. Mehr als das, es ist etwas, das in den Grundfesten unserer Kultur eingeschrieben ist, der Kultur der Vereinigten Staaten. Es ist für mich ein kraftvoller Film. Er untersucht die menschliche Natur."

Ab dem 16. Januar 2014 können wir uns alle selbst ein Bild von The Wolf of Wall Street machen, dann startet Martin Scorseses jüngstes Werk nämlich in den deutschen Kinos.

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THE WOLF OF WALL STREET

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