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TV Movie - Mai 1999 Reihenweise Stars wie Leonardo
DiCaprio sind in Woody Allens 27. Film "Celebrity" zu sehen, einer klugen
Komödie über die Licht- und Schattenseiten des Berühmtseins Die Stimmung in der Lobby eines
Münchner Luxushotels ist gedrückt: Soeben wurde ein Interview abgebrochen. Ein
Journalist wollte sich partout nicht an die Spielregeln halten: Trotz
inständiger Ermahnungen der Presseagentin, Woody Allen (63) endlich zu seinem
neuen Film zu befragen, beackert der Gesandte des Magazins der "Süddeutschen
Zeitung" ganz andere Themen. Als er fragt, welche Stellung Allen beim Sex mit
seiner Frau bevorzuge, wird der Mann vor die Tür gesetzt. Nun ist der
Mitarbeiterstab besorgt: Wird der berühmteste Stadtneurotiker der Welt gar die
Flucht nach Manhattan antreten? Um jetzt Ärger zu vermeiden, wird des
Interviewers Tasche mit der Aufschrift "Forrest Gump" beschlagnahmt. "Mr. Allen
haßt diesen Film", erklärt die Agentin. Die erste Frage betrifft dann auch brav
Allens neuen Film... TV Movie: In
"Celebrity" bleibt die Frage unbeantwortet, wer populärer ist: Elvis oder der
Papst. Wer ist es Ihrer Meinung nach? Woody Allen: Ich
glaube, in der heutigen Zeit ist es schwierig für den Papst, beliebt zu sein;
vieles, was er sagt, ist nicht sehr populär. Davon abgesehen: Für mich gibt es
keinen Unterschied - beide entsprechen nicht meinem Geschmack. TV: Sie haben
einmal gesagt, daß Sie sich nicht unbehaglich dabei fühlen, prominent zu
sein. Woody: Unangenehm ist,
daß man kein Privatleben hat. Das ist nicht schön, aber es ist auch nicht
schrecklich. Es ist einfach nur lästig. Dafür ermöglicht einem der
Prominentenstatus viele schöne Dinge: Ich bekomme in jedem Restaurant einen
Tisch und die besten Theaterkarten. TV: Kenneth
Brannagh spielt imFilm ihr Alter ego - mit all Ihren Tricks und Manierismen.
Warum haben Sie nicht gleich selbst den Starreporter Lee Simon
gespielt? Woody: Ich war viel zu
alt. Ich bin 63, befinde mich nicht in einer Lebenskrise und stelle auch nicht
den jungen Dingern in den Diskotheken nach. Auf einen 40jährigen trifft das
sicherlich zu, aber nicht auf einen Mann in meinem Alter. TV: Der
US-Kritikerpapst Robert Ebert hat in seiner "Celebrity"-Rezension geschrieben,
daß Sie von sexuellen Techniken fasziniert zu sein scheinen. Stimmt
das? Woody: Er spielt damit
sicherlich aud Charlize Therons ganzkörperliche Orgasmusfähigkeit und Judy
Davis´ Oralsex-Performance mit einer Banane an. Die Technik ist ein wichtiger
Bestandteil des Sex - man hört immer wieder Männer über Frauen sagen: Oh, sie
ist großartig im Bett, technisch sehr gut. Man sollte nur nicht den Fehler
machen zu glauben, daß Technik alles ist. Sie ist ein Bestandteil des Sex -
allerdings ein sehr wichtiger. TV: Im Film sagt
Melanie Grifith zu Kenneth Brannagh: Mein Körper gehört meinem Mann - aber vom
Hals aufwärts..." Stand für diese SzeneBill Clinton Pate? Schließlich meint er
auch, daß Oralsex kein richtiger Sex ist. Woody: Ich dachte
nicht an ihn, als ich das schrieb. Ich habe das schon sehr oft gehört. Im Laufe
meines Lebens habe ich immer wieder Frauen kennengelernt, die zum Oralsex bereit
waren, nicht aber zum Geschlechtsverkehr. Sie glaubten wie Monica Lewinsky
tatsächlich, sie würden später als Jungfrau in die Ehe gehen. TV: Leonardo
DiCaprio spielt einen prolligen Jungstar, bei dem sich alles um Koks und Koitus
dreht. Wie im richtigen Leben? Woody: Nein, mein Film
übertreibt. Im wirklichen Leben geht er zwar in die Clubs und so etwas, aber er
nimmt kein Kokain. Leonardo ist ein sehr ernsthafter Bursche und ausgesprochen
nett. TV: Sie haben
einmal in einem Interview gesagt, Sie würden ihn am liebsten auf die Titanic
zurückschicken und dort über Bord werfen... Woody: Das höre ich
zum ersten Mal, das habe ich nie gesagt! Leo ist ein wunderbarer Mensch. Ich
hielt ihn schon für einen großartigen Schauspieler, als ich ihn in "Marvin´s
Room" sah. TV: In all den
Artikeln über Woody Allen und Soon-Yi wird immer wieder die sehr dominante
Persönlichkeit Ihrer Frau betont. Ist Soon-Yi die Domina und Sie der
Sklave? Woody: Nun, ganz so
extrem ist es nicht. Sie beherrscht halt manche Dinge besser als ich. Ich bin
nicht so selbstbewußt wie sie. Ich mache all diese kleinen Dinge, das mache ich
sehr gut. Soon-Yi kann sehr viel besser mit den alltäglichen Dingen umgehen; sie
kümmert sich ums Taxi, ums Hotel, wissen Sie. Das kann ich nicht so
gut. TV: Stimmt es, daß
Ihre Frau Schauspielunterricht nimmt? Woody: Blödsinn. Sie
unterrichtet behinderte Kinder in einer New Yorker Schule und hat keine
Beziehung zur Schauspielerei. Sie hat kein Interesse daran und auch kein Talent
dafür. Aber die Zeitungen druckem das einfach. So haben sie auch geschrieben,
daß Soon-Yi schwanger sei. TV: Gibt es etwas
in Ihrem Leben, daß Sie aufrichtig bereuen? Woody: Vielleicht
hätte ich zu den Eltern meiner ersten Frau netter sein sollen. Ich habe jung
geheiratet, war gerade mal 20. Sie haben mich gut behandelt, und ich habe das
nicht anerkannt. TV: Ihre Ex-Frau
Mia Farrow hat einmal gesagt: Ich kann mir nicht vorstellen, was aus Woody ohne
all die Therapien in all diesen Jahren geworden wäre." Können Sie darauf
antworten? Woody: Nun, das ist
eine gute Frage. Ich denke, daß die Psychanalyse für mich eine große Hilfe war,
auch wenn sie keine Wunder bewirkt hat. Ich beneide alle Menschen, die nicht
neurotisch sind. Muß großartig sein. * |