dpa - Dezember 1997

 

 

"Titanic" läuft vom Stapel:

Schwimmt sie oder sinkt sie?

von Christine Biegler

 

Los Angeles (dpa) - Wenn "Titanic" am 19. Dezember in den USA vom Stapel läuft, hat das Katastrophen-Epos bereits zwei Rekorde aufgestellt. Es ist die teuerste Hollywood-Produktion aller Zeiten, und noch nie wurde über einen Film schon vor der Premiere so viel geschrieben und geredet wie über dieses Leinwand-Spektakel. Das meiste davon war wenig schmeichelhaft. Neben den gigantischen Kosten von gut 200 Millionen Dollar sorgten Unfälle während der Dreharbeiten, eine geheimnisvolle Vergiftung des Essens, Berichte über einen schikanösen, ausfälligen Regisseur und Streitigkeiten zwischen den Projekt-Partnern Fox und Paramount für Schlagzeilen.

Die Frage, ob "Titanic" sinkt oder sich über Wasser halten kann, beschäftigt daher sogar viele Nicht-Kinofans. Rund 110 Millionen Dollar hatte Regisseur James Cameron ("Terminator", "Aliens", "True Lies") zuerst für seinen Film veranschlagt, der auf dem Untergang des Luxusliners "Titanic" am 16. April 1912 mit über 1.500 Todesopfern beruht. Aber schon bald mußte das Budget kräftig aufgestockt werden und sich Fox einen Finanzpartner suchen.

Ab 350 Millionen Dollar in die Gewinnzone

Da neben den Produktionskosten noch immense Ausgaben für die Vermarktung anfallen, muß der Film nach Expertenrechnung mindestens 350 Millionen Dollar einspielen, um kein Verlustgeschäft zu werden. Dabei braucht sich die Gesellschaft Paramount als nordamerikanische Verleiherin mit 65 Millionen Dollar Investitionen kaum Sorgen zu machen. Haarig wird es für Fox, die den Löwenanteil bestritten hat und den Film international in die Kinos bringt.

"Titanic" sollte ursprünglich am 2. Juli anlaufen, aber die Dreharbeiten wurden um mehrere Wochen überzogen. Nun muß der Film am 19. Dezember gegen das neue James-Bond-Abenteuer "Der Morgen stirbt nie" antreten - eine starke Konkurrenz. Erschwerend kommt hinzu, daß der Film mit einer Länge von drei Stunden und 14 Minuten abends nur je einmal gezeigt werden kann. Das schmälert die Einnahmen.

Produktions-Million um -Million wurde versenkt

Um wetterbedingte Verzögerungen wie beim Film "Waterworld" (mit 175 Millionen die zweitteuerste Produktion) zu vermeiden, wurde in einem neuen Studio in Mexiko gedreht. Cameron ließ zwei riesige Wasserbecken und eine "Titanic"-Kopie zum Versinken bauen, die zu 90 Prozent der Größe des Originalschiffs entspricht. Verschlang allein das dutzende Millionen, so wurden schon vorher 20 Millionen für Unterwasseraufnahmen vom "echten" Wrack ausgegeben.

So wurden nach Branchenangaben sieben Millionen Dollar für Spezialeffekte angesetzt und am Ende kamen 30 Millionen zusammen. Auf 8,4 Millionen schwollen die Ausgaben für die Kostüme an, das Holz für verschiedene Bauten war zehnmal teurer als angenommen, und die Verlegung von Elektrokabeln allein kostete mehr als die einkalkulierte Summe für die gesamte Beleuchtung. Aber Ehre, wem Ehre gebührt: Um das Projekt nicht zu gefährden, verzichtete Cameron auf sein Regisseur-Salär und auf die vereinbarte spätere Beteiligung an den Einnahmen.

Qualen eines Regisseurs: Kein Geld, keine Ehre?

Der 43jährige behielt nur den Lohn für das Script, das ebenfalls von ihm stammt. Im Mittelpunkt des Films steht die Romanze zwischen dem brotlosen Künstler Jack (Leonardo DiCaprio) und der jungen Aristokratin Rose (Kate Winslet), die gegen ihren Willen einen unsympathischen Adligen heiraten soll. DiCaprio hat die Dreharbeiten im kalten Wasser als "extrem hart" beschrieben. Andere Schauspieler beklagten, daß sie wochenlang ohne freien Tag vor der Kamera hätten stehen müssen und Cameron häufig "herumgeschrien" habe.

Tatsächlich war der Regisseur wiederholt vom Unglück verfolgt. Während Dreharbeiten in Halifax (Kanada) erkrankten viele Schauspieler und Mitarbeiter, nachdem sie eine mit der Droge PCP vergiftete Fischsuppe gegessen hatten. Wenige Monate später brachen sich drei Stuntmen im mexikanischen Studio mehrere Knochen. Kate Winslet fiel immer wieder wegen Erkältungen aus.

Bei den Kritikern schwimmt "Titanic" oben

Und was sagen die Kritiker über den Film selbst? Als "Titanic" im November auf dem Filmfestival in Tokio Weltpremiere feierte, war das Echo überwiegend positiv. Wie es hieß, besticht der Film durch meisterhafte Spezialeffekte, bewundernswerte Genauigkeit bei der Nachstellung historischer Fakten und seine herzerwärmende Liebesgeschichte, die "Titanic" über ein normales Desaster-Action- Spektakel hinauswachsen lasse. Es gibt sogar Kritiker, die das Epos für "Oscar"-verdächtig halten.

Bill Mechanic, Vorsitzender von Fox Filmed Entertainment, macht unterdessen keinen Hehl daraus, daß er schon froh wäre, aus den roten Zahlen herauszukommen. Unmöglich ist das nicht. So spielte etwa Paramounts "Mission:Impossible" weltweit 422 Millionen Dollar ein, und Sonys "Men in Black" brachten es sogar auf 527 Millionen.

 

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