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Prinz (Hannover) - Januar 2005
Howard Hughes: Pionier, Zwangsneurotiker, Casanova von Brigitte Steinmetz
Martin Scorsese hat noch nie einen schlechten Film gedreht. Kann er gar nicht. Dafür liebt er viel zu sehr, was
er tut. Okay, er war nicht immer perfekt; ja, die "Gangs of New York" waren zu langatmig. Aber eines kann man ihm
nicht vorwerfen: fehlende Risikobereitschaft.
Auch sein neuestes Epos "Aviator" war kein Selbstgänger. Es gab schon einige Regisseure, die sich an der
schillerndern Figur von Amerikas exzentrischstem Multimillionärs versucht haben. Aber irgendwie blieben immer
nur die Bilder seiner letzten Jahre im Gedächtnis, als er menschenscheu und vereinsamt, mit wirrem Haar und langen
Krallen in einem Hotelzimmer vegetierte.
Scorseses Hughes ist die unbekanntere, jüngere Ausgabe dieses Wesens und so faszinierend, dass Leonardo DiCaprio
schon von ihm "besessen" war, bevor er sich mit "Titanic" in seichtes Gewässer verirrte: "Ich kannte Hughes auch
nur als durchgeknallten Misanthropen. Aber dann las ich mit 21 ein Buch über ihn und begriff, dass er ein echter
Pionier war." Der erste unabhängige Hollywood-Produzent der 30er Jahre, verantwortlich für den teuersten
("Höllenflieger"), den sexuell provozierendsten ("Geächtet") und den gewalttätigsten ("Scarface") Film seiner Zeit.
Er war Pilot, einer der Begründer der kommerziellen Luftfahrt, Zwangsneurotiker und Hollywoods größter Casanova.
Eine Paraderolle für Leonardo DiCaprio.
"Aviator" ist einer der raren Glücksfälle, bei denen Regisseur, Schauspieler und Story füreinander geschaffen sind:
ein grandioser Film über das Filmemachen, von einem Besessenen über einen Besessenen, verkörpert von einem
Besessenen, der - ist es zu früh, das zu sagen? - dabei ist, Robert De Niros Platz in Scorseses Filmbiografien
einzunehmen.
Die Flugszenen sind spektakulär, die Dialoge bester Screwball-Humor, aber was wirklich fasziniert, ist die
Schauspielkunst. Jawohl: Kunst ! Der weiblichen Riege voran Cate Blanchett, umwerfend echt als Hughes' große Liebe
Katherine Hepburn und Vorgängerin von Ava Gardener (Kate Beckinsale). Selbst Gwen Stefani in einer Minirolle ist die
einzige mögliche Jean Harlow in diesem Ensemble.
Ja, ja: vielleicht hätte Scorsese hie und da ein wenig straffen können. Aber das wäre für ihn, wie die Geliebte zum
Chirurgen zu schicken. Und das kann man wirklich nicht von ihm verlangen.
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