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2 Kurzkritiken zu "Marvins Töchter" Cinema Kritik Miramax sollte sich an die eigene Nase
fassen. Das kunstbeflissene Independent-Stdio puschte seinen "Englischen
Patienten" vor der Oscar-Verleihung dermaßen, daß "Marvins Töchter" das
Nachsehen hatte. Ebenfalls von Miramax produziert, behandelte man die
Theaterverfilmung PR-technisch wie einen Kassenpatienten, dem nicht mehr zu
helfen ist. Das kränkliche Resultat: eine einsame Nominierung für Diane Keaton.
Und wo blieben, bitte schön, Meryl Streep? Leonardo DiCaprio? Robert De Niro?
Und Regiedebütant Jerry Zaks? Zu Hause. Eine Schande. In Sachen Gefühlskino
nimmt es "Marvins Töchter" nämlich allemal mit den prämierten Filmen
auf. Patienten sind in diesem Familiendrama
sämtliche Figuren, auch wenn nur eine wirklich todkrank ist: Bessie (Keaton) hat
Leukämie und nur noch eine Chance - die Knochenmarkspende eines nahen
Verwandten. Traumatisch wird die Angelegenheit, weil die alte Jungfer Bessie
ihre entfremdete Proll-Schwester Lee (Streep) und deren rebellische Kinder seit
Urzeiten nicht gesehen hat. Die aus der Not entstandene Familienzusammenführung
offenbart die Kehrseite der Heile-Welt-Rama-Reklame. Das Ergebnis ist berstend komisch.
Tieftraurig. Großartig gespielt. Diskret inszeniert. Ohne obligaorisches
Happy-End. Und zutiefst human. Alles, was ein Film sein sollte. In einer
besseren Welt hätte es also heißen müssen: "And the Oscars go to ´Marvin´s Room´
." * Kritik vom Richard
Mentz Wem Hollywood vor allem für ein Kino
überwältigender Gefühle steht, der kann mit Marvins Töchter einen
wahren Leckerbissen erwarten. Erzählt wird die Geschichte der Schwestern Bessie
(Diane Keaton) und Lee (Meryl Streep). Seit zwanzig Jahren pflegt Bessie den ans
Bett gefesselten Marvin, ihren Vater, kümmert sich auch liebevoll um dessen
exzentrische Schwester Ruth. Eines Tages stellt ihr Hausarzt (Robert De Niro)
fest, daß sie selbst an Krebs erkrankt ist. Helfen könnte nur noch eine
Knochenmarkstransplantation von einem nahen Verwandten. In ihrer Not bittet
Bessie die weit entfernt lebende Schwester Lee, zu der sie seit ihrer Jugend
keinen Kontakt hatte. Sie kommt. In ihrem Schlepptau hat sie ihre Söhne Charlie
und Hank (Leonardo DiCaprio), Liebe allerdings überhaupt keine ... In einem Reigen entfesselter Emotionen
schildert der Film das mühsame Zusammenwachsen von Leuten, die zu einer Familie
gehören, aber alles andere als Freunde sind. Diane Keaton und Meryl Streep
spielen die ungleichen Schwestern mit fesselnder Intensität, reißen einen
geradezu in den Höllenschlund einander widersprechender Gefühle. So schön
konnten wir im Kino schon lange nicht mehr weinen, ohne uns dafür schämen zu
müssen. Sensationell gut! * |