KINO-Magazin - 1994/95

 

Set-Visite: Leonardo DiCaprio in "The Basketball Diaries"

Sex, Drugs & Rebounds

 

Videoclip-Experte Scott Kalvert (Tone Loc, Cindy Lauper) verfilmt den Kultroman "The Basketball Diaries" mit Leonardo DiCaprio und Rapper Marky Mark. KINO war am Set in New York

 

Der Slam-Dunk ist perfekt. Der Ball beidhändig nach hinten über den Kopf gezogen und mit einem eleganten Hop im Korb plaziert. Die Kids auf den Rängen brechen in lautstarken Jubel aus, als der Werfer das Gesicht zu einem triumphierenden Grinsen verzieht. "Yo!" brüllt er voller Inbrunst und rempelt dem Team-Kameraden, dem er die Vorlage zum Treffer verdankt, freundschaftlich gegen die Brust. Keine Frage, wir befinden uns bei einem Basketball-Spiel. Doch die Forrest Hill Halle im New Yorker Stadtteil Queens hat heute weder die baumlangen Kerle von "Seattle Supersonics" noch die "Chicago Bulls" zu Gast: Auf dem Linoleum müht sich redlich eine Horde von schlaksigen Jünglingen. Allein der Korbjäger kann schon auf recht beachtliche Muckis herabblicken. Der Rest hat ein paar gezielte Hantel-Aktionen noch bitter nötig. Doch abgesehen von solch unwichtigen körperlichen Mängeln stimmt alles. Findet zumindest Regisseur Scott Kalvert, der die Szene mit einem anerkennenden "sehr schön!" zu den Akten legt.

Auch unsere beiden Basketball-Profis sind zufrieden - dürfen sie auch sein, denn schließlich heißt der eine Mark Wahlberg und verdient seine Brötchen normalerweise als rappender Pseudo-Macho Marky Mark, und seinen Team-Kollegen Leonardo DiCaprio verbindet mit dem Sport der Körbe auch nicht mehr als ein gar nicht mal so lukrativer Filmdeal: Nur vier Mio. Dollar stehen Scott Klavert für "The Basketball Diaries" zur Verfügung. Da wird "Leo", wie der Star von Filmen wie "This Boy´s Life" und "Gilbert Grape - Irgendwo in Iowa" hier allgemein genannt wird, wohl kaum die Gage erhalten haben, die einem der angesagtesten Jungtalente von Hollywood zusteht. Doch seine Belohnung für den ungewohnt sportlichen Einsatz ist der Part, den River Phoenix auf MTV zur definitiven Traumrolle erklärte - die Darstellung des Jim Carroll, basketballspielender Junkie, Musiker, Beat-Poet und Autor der Tagebuch-Aufzeichnungen "The Basketball Diaries", die schon kurz nach ihrer Veröffentlichung im Jahr 1978 zum Kult-Klassiker avancierten.

River Phoenix hat es vorgezogen, die Drogenkarriere am eigenen Leib zu erleben - bis zum bitteren Ende. Leonardo DiCaprio will es besser machen: Drogen jedweder Art habe er noch nie angerührt, so der Nachwuchsstar, doch könne er sich auch ohne diese Erfahrung durchaus in die Haut Jim Carrolls hineinversetzen - in seine desillusionierende Kindheit auf den Straßen New Yorks, seine sportlichen Ambitionen, den fortwährenden Absturz in die Illegalität und die immer bdrohlicher werdende Sucht. Ja, Leo hat sich einiges vorgenommen. Doch wer seine genialen Baketballpässe gesehen hat, wird sich schon überzeugen lassen, daß er auch den Rest bravourös erledigen wird.

*

ÜBER SEINE FILME

MAIN