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Planet Movie - Februar 2003
FEATURE: GANGS OF NEW YORK (Ausschnitt)
Der Regisseur Martin Scorsese und die Produktionsfirma Miramax (Bob und Harvey Weinstein) haben für dieses Epos weder
Kosten noch Mühen gescheut. So wurde das gesamte Set nicht etwa im Computer oder per Blue Box konstruiert, sondern
tatsächlich per Handarbeit gebaut; auf dem Gelände des legendären italienischen Cinecittá-Studios. Allein die alte
Brauerei, in der die Dead Rabbits hausen, ist ein beeindruckend aufwändig konstruiertes Labyrinth aus Stegen ,
Höhlen, Tunneln und Gängen.
Sicherlich einer der Gründe der für Miramax bislang höchsten Produktionskosten, die sich dem Vernehmen nach auf
mindestens 100 Millionen Dollar belaufen sollen. Mit enormer Detailtreue ließ Regisseur Martin Scorsese die
Straßen und Plätze wieder auferstehen, wobei er sich von den frühen Fotografien des New York-Chronisten Jacob Riis
inspirieren ließ, die zwar erst um 1880 entstanden, aber dennoch die Atmosphäre und Lebensverhältnisse im New York
Mitte des 19. Jahrhunderts authentisch wiedergeben.
Das Ergebnis ist episches Kino über eine Zeit, in der New York zu dem wurde, was es heute ist, über eine Epoche,
die die USA als Nation prägte und formte. Neben dem enormen Aufwand und einer Post-Produktios-Phase, die über ein
Jahr dauerte, ist das auch der Verdienst der Darsteller.
Allen voran liefert Daniel Day-Lewis als Bill "The Butcher" Cutting eine Oscar-reife Leistung ab. Über weite Strecken ist
das einfach sein Film. Wie er diese zwiespältige und durchaus zerrissene Figur gibt, sorgt dafür, dass man beinahe
mit diesem Rassisten und Gewaltmenschen mitfühlt. So ist es denn auch DiCaprio hoch anzurechnen, dass er neben
Day-Lewis mehr als bestehen kann. Das Ensemble versammelt die Crème de la Crème englischer und irischer Darsteller.
In der Originalfassung sorgen sie auch für authentisches Sprachkolorit, das sich Diaz, DiCaprio und Day-Lewis mühsam
antrainieren mussten.
Martin Scorsese zieht alle Register, um die damalige Zeit sinnlich erfahrbar zu machen und dafür zu sorgen, dass man
in den intensiveren Momenten des Films glaubt, diese Slums geradezu riechen zu können. Was auch zeigt, dass ein
gebautes Set für die Atmosphäre einfach besser ist als ein am Computer erzeugtes.
Dafür sorgen auch die authentische Ausstattung von Altmeister Dante Feretti und die Sorgfalt, mit der hier die
Kostüme ausgewählt wurden. Den einzelnen Gangs wurden verschiedene Farben zugeordnet, was ganz nebenbei auch die
Orientierung inmitten der unzähligen Figuren erleichtert.
Howqard Shores Musik-Score spiegelt dabei genau jenen Kultur-Mix wieder, den der Film zeigt: Irish Folk mischt
sich mit Motiven aus der traditionellen Peking-Oper, dazu kommt eine mitunter martialische Schlachtmusik, die fast
schon Dixieland/Marching Blues-Charakter hat.
Trotz allem wird man nach dem Abspann des Films das Gefühl nicht los, hier nur Rudimente gesehen zu haben. ...
Dennoch gelingt Scorsese ein über weite Strecken dramatischer und sehr spannender Film, dessen Härte sicherlich
nichts für zarte Gemüter ist, der aber menschliche Schicksale in einer Zeit abbildet, von der wir kaum etwas wissen. ...
"Gangs of New York" ist großes Kino mit kleinen Schwächen, das kraftvoll beginnt, sich dann ein wenig in die Länge
zieht, um gegen Ende hin wieder stärker zu werden. Die Bilder und Töne, Eindrücke und gezeigten Schicksale
lassen eine längst vergangene Epoche lebendig werden.
LG
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