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Filme der Woche - 13.11.2008

 

 

«Der Mann, der niemals lebte»: Ein Spionage-Thriller von Ridley Scott

von Katie Kahle / dpa

Text (Rom/dpa) - «Vertraue niemandem, betrüge jeden»: Nur mit diesem Motto scheint es möglich zu sein, im totalen Krieg zwischen Terroristen und Agenten zu überleben. Um ein Leben zu haben, das über das bloße Überleben hinausgeht, muss man aber auch vertrauen können. Mit «Der Mann, der niemals lebte» (Originaltitel «Body of lies») ist dem mehrfach für den Oscar nominierten britischen Regisseur Ridley Scott ein spannender Spionagestreifen gelungen. Auch die preisgekrönten Hauptdarsteller Leonardo DiCaprio und Russell Crowe - letzterer musste für den Film über 20 Kilo zulegen - sowie Oscar- Drehbuchautor William Monahan («Departed - Unter Feinden») halten, was sie versprechen. In einer Nebenrolle glänzt die 25-jährige iranische Schauspielerin Golshifteh Farahani, die sich in ihrem Heimatland mit der Rolle in «Body of lies» eine Menge Schwierigkeiten einhandelte.

In über zwei Stunden bringt der Brite vor dem Hintergrund der komplexen politischen Probleme im Nahen Osten die Geschichte eines CIA-Agenten auf die Leinwand. «Es ist eine Story über Spionage, die genauso gut im Berlin des kalten Krieges hätte spielen können», erklärt Scott der Deutschen Presse-Agentur, dpa. «Freund oder Feind existieren nicht mehr, sind nicht mehr klar auseinanderzuhalten.» Ihm geht es vor allem darum, das schmutzige Spionagespiel darzustellen, weniger, politisch Partei zu ergreifen. Hinter aller Action stellt sich die Grundsatzfrage um das Vertrauen in den Nächsten im Leben des CIA-Manns Roger Ferris - hinreißend dargestellt von Leonardo Di Caprio - als das eigentliche, das menschliche Thema des Films heraus.

Die Handlung ist einfach: Nach Bombenattentaten in westlichen Großstädten sind die Täter weiterhin unbekannt, die CIA ist ratlos. Da entdeckt Ferris - Topagent des amerikanischen Geheimdienstes an der Terrorfront im Nahen Osten - eine heiße Spur zu einem führenden Terroristen, der von Jordanien aus arbeitet. Um den Bin Laden ähnlichen Terror-Scheich zu überlisten, ist er gezwungen, ein diplomatisches Netz zu flechten, bei dem es im Spiel um Wahrheit oder Lüge am Ende um sein eigenes Leben geht.

Ferris' ambivalente Mit- bzw. Gegenspieler sind der gewissenlose CIA-Boss Ed Hoffmann (Russell Crowe), der aus der Ferne über hochaufgelöste Satellitenbilder agiert und Bombardierungen per Telefon anordnet, während er seine Kinder zum Fußball bringt, sowie der charmante und leicht arrogante Chef der jordanischen Sicherheitskräfte, Hani Salaam - großartig gespielt von Marc Strong.

An dem immer wieder auftauchenden Thema Lüge oder Vertrauen, Freund oder Feind entrollt sich das Drama - meisterhaft inszeniert im Atem beraubenden Perspektivenwechsel zwischen Satellitenaufnahmen und Spielszenen. Das oberste Gesetz der Agenten, ist niemandem zu trauen, aber ohne Freunde nützen Ferris vielleicht auch alle beruflichen Beziehungen nichts, um sein Leben zu retten. Die Wahrheit verfremdenden Satellitenbilder, die die schlimmsten Kriegsereignisse je nach Auflösung so deformieren, dass am Ende trotz der hochtechnischen Mittel von der Realität nur noch ein lügenhafter Abklatsch bleibt, werden zum Symbol.

Und so ist Ridley Scott und seiner Mannschaft ein durchaus politischer Streifen gelungen, ein Film gegen den Krieg und eine Anklage gegen die US-Außenpolitik der vergangenen Jahre. «Ich bin ein Patriot, aber ich glaube nicht an alles, was im Namen meines Heimatlandes geschieht», bringt es Di Caprio im Gespräch auf den Punkt. Das Statement hätte genauso gut aus dem Munde Roger Ferris' stammen können.

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