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GALA - ~ Mai 1998 In seiner neuen Komödie "Celebrity"
seziert Woody Allen die Welt der Stars. Amüsante Aha-Effekte sind
garantiert. von Vanessa Oelker Der Pop-Art-Künstler Andy Warhol
prophezeite: "In Zukunft wird jeder für 15 Minutem berühmt sein." Die Sucht nach
Ruhm hat allerdings auf Menschen unterschiedliche Auswirkungen. Das zeigt Woody
Allen, der Intellektuelle unter den amerikanischen Filmemachern, in "Celebrity",
seinem 27. Film. In messerscharfen Dialogen, mit
pointiertem Witz und einer großen Portion Ironie führt Allen vor, was es heißt,
in Amerika so populär zu sein wie Elvis Presley oder der Papst. Für seine
bitterböse Komödie standen sofort echte Celebrities aus Hollywood Schlange. Für
eine Minigage waren sie bereit, die Lust und den Frust der Showleute zu
verkörpern. Selten war ihre Besetzung so doppelbödig - denn wer könnte den Kult
um die Schönen, Reichen und Berühmten besser darstellen als Stars, die Stars
spielen. Neben Melanie Griffith brillieren Kenneth Branagh, Winona Ryder und
Judy Davis. Selbst kleinste Gastauftritte wurden von Prominenten übernommen. So
sind neben Immobilien-Tycoon Donald Trump auch die Autorin Erica Jong oder der
Modedesigner Isaac Mizrahi zu sehen. Der größte Besetzungscoup gelang Allen
eher zufällig. Er engagierte für die Rolle des ausgeflippten Teenie-Idols
Brandon einen jungen Schauspieler, der kurz nach Vertragsunterzeichnung durch
"Titanic" selbst zum begehrten Objekt weltweiter Mädchen-Hysterie wurde:
Leonardo DiCaprio. Allens Film über das US-Phänomen wurde so von der
Wirklichkeit noch übertroffen: Während DiCaprio keinen Schritt vor sein New
Yorker Appartement wagen kann, ohne fotografiert oder belästigt zu werden, fährt
seine englische "Titanic"-Partnerin Kate Winslet in London unbehelligt
U-Bahn. Obwohl Allen selbst zu den Celebrities
zählt, läßt er seinAlter ego im Film von Kenneth Branagh darstellen. Mit 63
Jahren fühlte er sich zu alt und überließ ihm die Rolle des Promi-Journalisten
Lee. Der interviewt zwar Stars, scheitert aber mit seinen Versuchen, als
Drehbuch- und Romanautor selbst berühmt zu werden. Branagh gibt mit seinen "Ja,
aber, aber ..." oder "Nein, ich habe nicht, nein, es ist nicht ..." eine fast
perfekte Allen-Kopie ab. Für die Allensche Artikulation sorgte der Regisseur
selbst. Jeden Stotterer schrieb er penibel im Drehbuch fest. Auch die anderen
Rollentypen wirken authentisch: der blonde Vamp Nicole (Melanie Griffith), die
mit Lee einen leidenschaftlichen Nachmittag verlebt; die frisch verlassene,
neurotische Gattin Robin (Judy Davis), die als Moderatorin Karriere macht; oder
das Supermodel (Charlize Theron), deren Leben sich um Modenschauen und Parties
dreht. So unterschiedlich ihre Kapriolen auch sind - sie wollen vor allem eins:
eine Celebrity werden. Der Regisseur selbst genießt seine
Prominenz. Deshalb versteht er auch die Sucht seiner Landsleute nach Ruhm.
Leider entsteht durch zu viele Stars ein Problem: "In ein paar Jahren", so
Allen, "haben wir in Amerika nur noch Berühmtheiten, aber keine Zuschauer
mehr." * |