Berliner Zeitung - ~25. Januar 2007

 

 

Kauft keine Klunker

Politische Botschaft, in einen packenden Thriller verpackt: 'Blood Diamond'

 

von Peter Zander

 

DIA. Das ist Afrika. Das sagt der weiße Ex-Söldner aus Südafrika, um der amerikanischen Journalistin den fremden Kontinent zu erklären. Das sagt später auch der Berufssoldat zum Söldner beim finalen Waffenduell. Und das sagt eigentlich Edward Zwicks gesamter Film dem globalen Zuschauer. Das ist schon merkwürdig, denn in den Erfahrungswerten über den Schwarzen Kontinent macht sich gerade eine bemerkenswerte Schere auf. Hier die zielstrebig in Selbstfindung zielenden Schmonzetten überwiegend weiblicher Protagonisten, die derzeit inflationär das Fernsehprogramm bestimmen ('Afrika mon amour', 'Afrika, wohin mein Herz mich trägt', 'Traum von Afrika' usw.) und nur die eine Richtung kennen: weg von daheim, hin in die Fremde ! Da die ausschließlich männliche Sicht auf ein feindliches, korruptes, überaus gewalttätiges und tödliches Afrika, die das Kino beherrscht: ganz egal ob in afrikanischer ('Totsi'), deutscher ('Winterreise') oder internationaler Produktion ('Der ewige Gärtner', 'Hotel Ruanda' und ganz aktuell 'Catch a Fire'). Hier wird fast nur die Gegenrichtung angepeilt: nichts wie weg.

In diese Richtung zielt auch Edward Zwicks Actionthriller 'Blood Diamond'. Auch er handelt von Korruption und brutalen Regimes, von internationalen Verflechtungen und europäischen Firmen, die von dem Elend profitieren. Ihn treibt aber, mehr noch als 'Der ewige Gärtner', eine klare politische Botschaft an, die wie ein Appell zu verstehen ist: Kauft keine sogenannten Konflikt-Diamanten ! Es klebt Blut daran.

Und Zwick verbindet sie mit einem gern verdrängten Reizthema, das bislang fast ausschließlich in Dokumentarfilmen, aber noch nie im Mainstream-Kino aufgegriffen wurde: dem Los der Kindersoldaten, die zu willenlosen Killern (oft auch zu Mördern ihrer eigenen Eltern) gedrillt werden.

'Blood Diamond' verbindet ein Gegensatzpaar, das all die Widersprüche aufgreift: Auf der einen Seite der Ex-Söldner Danny Archer (Leonardo DiCaprio). Der stammt aus Südafrika und schmuggelt gewissenlos Diamanten aus Sierra Leone nach Liberia, um sich damit eine Existenz weit weg von Afrika zu sichern. Ganz egal, ob er damit den illegalen Waffenhandel und den Bürgerkrieg im Lande auf seine Weise unterstützt. Und auf der anderen Seite der einfache Mensch mit dem apostolischen Beruf des Fischers und dem Namen des Weisen, Solomon Vandy (Djimon Hounsou): Sein Dorf wird niedergebrannt, sein Sohn verschleppt und zum Kindersoldaten abgerichtet und er selbst von den Rebellen gefangen genommen, um für sie nach Rohdiamanten zu suchen. Tatsächlich findet Solomon einen riesigen, rosa Edelstein und weiß ihn zu verbergen. Als das Lager von Soldaten gestürmt wird, kommt er allerdings mit seinen Schergen in ein Gefängnis, in dem auch Archer kurzzeitig einsitzt. Und so bekommt der Wind von dem Stein. Nach ihrer Befreiung "überredet" Archer den Schwarzen, ihn zu dem Diamanten zu führen, wenn er Vandy im Gegenzug hilft, dessen Familie aufzuspüren. Denn der Stein des Weisen ist eben nicht der Diamant, sondern - der eigene Sohn.

Es beginnt eine abenteuerliche Odyssee durch die unglaublich schönen (und schön fotografierten) Landschaften. Doch als hätte Zwick Angst gehabt, die Botschaft könne zu penetrant wirken, krachen und knallen allzu oft Maschinengewehre und Kanonen. Und DiCaprio weiß sich auffallend gut im Kugelhagel zu orientieren, während die Statisten um ihn herum nur so niedersinken. Ein wenig krankt 'Blood Diamond', ähnlich wie 'Catch a Fire', auch daran, dass, das alte Schwarzweißschema politisch korrekt umgedreht, der schwarze Held das Gute ohne jeden Bruch verkörpert, während bei dem zynischen Weißen alle Abgründe ausgelotet werden. Dann gibt es auch noch eine halbe Romanze des Weißen mit einer allzu blauäugigen Journalistin (Jennifer Connelly), die wohl die einzige dramaturgische Bedeutung hat, dass das Publikum durch sie die größeren Zusammenhänge erfährt. Wodurch die Figur des Schwarzen ein wenig ins Abseits zu geraten droht.

Immerhin: Zwick gelingt ein durchaus packender Thriller, mit dem Leonardo DiCaprio endgültig sein altes Buben-Image gegen das eines taffen Actioners eintauschen kann. Und gegen die eine, von Unicef und anderen Institutionen gar mitproduzierte Botschaft kann man guten Gewissens nichts haben. Nur wird auch diese, auf einem G-8-Gipfel in Europa, allzu blauäugig vorgetragen, und die schlimmen Strippenzieher in Europa erhalten am Ende sogar ihre gerechte Strafe. DAH. Das ist Hollywood.

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