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Prinz (Hannover) - Februar 2002
Steven Spielberg ergründet die Seele eines Betrügers in 'Catch me If You Can'
von Gernot Griksch
Keine Aliens, keine Roboter, keine Gedankenleser oder Propheten ! Nachdem Hollywood-Titan Steven Spielberg sich
zuletzt mit 'A.I. - Künstliche Intelligenz' und 'Minority Report' ausgiebig auf dem Spielplatz des Metaphysischen
ausgetobt hat, besinnt er sich in seinem neuen Werk nun wieder auf die fundamentalste aller Kinotugenden:
Er erzählt eine Geschichte. Schnörkellos. fesselnd, ohne Schnick und ohne Schnack. Eine Geschichte, so unglaubwürdig,
dass sie einfach wahr sein muss !
Und tatsächlich gibt es die Hauptfigur von 'Catch Me If You Can' wirklich: bevor Frank Abagnale Jr. auch nur sein 19.
Lebensjahr erreichte, hatte er auf unterschiedlichste Arten Millionen von Dollar ergaunert, sich erfolgreich als Pilot
ausgegeben, als leitender Arzt an einem Krankenhaus gearbeitet und sich als hochdotierter Anwalt verdingt. Ein Lügner
von Jugend an - schon als er 16-jährig an eine neue High School kam, gab Abagnale sich als Lehrer aus. Eine Woche lang
unterrichtete er mit strenger Hand seine Mitschüler, bevor der Schwindel aufflog. Leonardo DiCaprio spielt
diesen Erstliga-Blender, wie er wohl auch im wirklichen Leben war: als charmanten, gewieften, aber auch seelisch
angeknacksten Teenager.
Tom Hanks übernahm Hauptrolle Nummer zwei: den FBI-Agenten Carl Hanratty, der unermüdlich an Abagnales Spur schnüffelt.
Hanratty hat exakt jenen Charakter, den man von einem Mann erwartet, der sich auf Wirtschaftskriminalität spezialisiert hat
und die Feinheiten des Scheckbetrugs faszinierend findet: Hanratty ist ein dröger, humorloser Beamter. Paradoxerweise
ist er der einzige Mensch, der in Abagnales unstetem Leben eine feste Größe bleibt. An Heiligabend zum Beispiel
hat der Meistergauner niemanden, der mit ihm feiert. Wen ruft er an? Seinen Jäger beim FBI. Denn wer sonst kennt sein
wahres Ich?
Auch wenn Spielbergs neues Werk viele amüsante Momente hat: Es ist keine Komödie. Es ist auch kein Thriller. Und es ist
auch kein Drama. Es ist von allem etwas. Eine facettenreiche Ballade voll aus dem Leben, die sich alle Knalleffekte
verkneift und vielleicht gerade deshalb so ungemein gut unterhält. Und es sind nicht nur Abagnales perfekt
orchestrierte Betrügereien, die das Publikum faszinieren - es ist auch seine Hintergrundgeschichte.
Denn Spielberg zeigt im ersten Filmdrittel, wie der Meistergauner wurde, was er ist: Sein Vater Frank Abagnale Sen.
(Christopher Walken), ein erbärmlicher Niemand, lebt dem Sohn vor, dass Blenden, Protzen und Lügen eine Weltanschauung
sein kann.
Der echte Frank Abagnale Jr. hat inzwischen das Betrügen aufgegeben. Im Nachspann erfährt der verblüffte Zuschauer,
was der Herr heute treibt und wie er zwischenzeitlich ganz legal zum reichen Mann wurde. Kaum zu glauben - aber wahr.
Und siehe: Wer braucht Aliens, Roboter und Propheten, wenn das wahre Leben solch unfassbare Geschichten zustande bringt?
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