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'Catch me If You Can' - Kritik

 

 

Hochstapler Leo

 

von Michael Kubath

 

Prasselnder Regen, ein heruntergekommenes Gefängnis in Frankreich, ein verwahrloster Gefangener mit Atemproblemen und ein FBI-Agent, der aussieht wie ein Steuerbeamter. Der Anfang des Films ist - beinahe - das Ende der Geschichte:

Polizist Carl Hanratty (Tom Hanks) hat Millionenbetrüger Frank Abagnale Jr. (Leonardo Dicaprio) nach Jahren endlich das Handwerk gelegt und will ihn in die Staaten überführen. Im Rückblick wird nun eine der verrücktesten Betrugsstorys der US-Kriminalgeschichte aufgerollt. Franks kriminelle Karriere beginnt im zarten Alter von 16 Jahren, als sich seine Eltern (Christopher Walken, Nathalie Baye) scheiden lassen und er von zu Hause ausreisst. Ohne je eine Ausbildung abgeschlossen zu haben, gibt er sich in den kommenden Jahren als PanAm-Pilot aus, arbeitet als Unfallchirurg im Krankenhaus und praktiziert als Rechtsanwalt. Außerdem erschwindelt er sich durch geschickte Scheckbetrügereinen - gepaart mit einer Riesenportion Charme - mehrere Millionen Dollar.

Kein Wunder also, dass Abagnale auf der Liste der meistgesuchten Verbrecher der Vereinigten Staaten landet und FBI-Agent Carl Hanratty in akribischer Kleinarbeit versucht, seinem Treiben ein Ende zu bereiten. Im Lauf der Zeit entwickelt sich zwischen dem Polizisten und dem Gauner nicht nur ein verzwicktes Katz- und Maus-Spiel, sondern auch eine intensive persönliche Beziehung.

Basierend auf Frank Abagnales gleichnamiger Biografie, bringt Steven Spielberg - nach einer Reihe düsterer Filme a la 'Schindlers Liste', 'A.I.' oder 'Minority Report' - nach längerer Zeit wieder einen unbeschwerten Unterhaltungsfilm auf die Leinwand, der einfach Spaß macht. Geradezu schwerelos bewegt sich der Starregisseur dabei zwischen verschiedenen Genres hin und her: 'Catch me If You Can' ist gleichzeitig spannender Krimithriller, witzige Komödie und berührende Familientragödie. Die von gedämpftem Zwielicht geprägten Bilder finden hier nur selten Platz, Kameramann Janusz Kaminski taucht die Szenerien in helles Licht und grellbunte Bonbonfarben und unterstreicht so das poppige Flair der 60er Jahre.

Neben dem gewohnt überzeugenden Oscar-Preisträger Tom Hanks läuft vor allem Leonardo DiCaprio zu unerwarteter Hochform auf. Nachdem es um den einstigen Teeniestar nach 'Titanic' etwas ruhig geworden war, liefert er hier eine lässig-charmante Vorstellung vom Feinsten ab. Sein Lohn: eine Golden Globe-Nominierung als bester Hauptdarsteller. Und beste Aussichten, bei der nächsten Oscar-Verleihung ein Wörtchen mitreden zu können.

 

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