Showbiz.de - 3. September 2014

 

Robert Pattinson: “Maps to the Stars”
– Die gruselige Seite der Traumfabrik

 

Warum er häufig für einen Hollywood-Regisseur gehalten wird, versteht David Cronenberg nicht. Seine Filme von “Crash” über “Die Fliege”, “eXistenZ” bis zu “Cosmopolis” mit Robert Pattinson stehen für alles andere als Mainstream.

Seine grenzüberschreitenden Interpretationen des Horror- und Science-Fiction-Genres haben auch nichts gemein mit der Fließbandware, die aus den Studios kommt. Die gruselige Seite der Traumfabrik, die in ihrer Verkommenheit von ganz allein die besten Pointen liefert, zeigt der 71-jährige Kanadier nun in dem Streifen “Maps to the Stars”(Kinostart: 11.09.) mit Robert Pattinson. Dabei drehte er erstmals in den USA.

David Cronenberg dringt mit seinem eiskalten sezierenden Blick ins Innerste Hollywoods ein. Hier entdeckt er die hysterische Diva Havana Segrand (grandios und ohne körperliche Schamgrenzen: Julianne Moore). Sie fühlt sich von ihrer toten Mutter – einer berühmten Leinwandgöttin, der es “vergönnt” war, jung zu sterben – in ihrem eigenen Scheitern beobachtet. Während sie altert und vergessen wird, bleibt ihre Mutter in ihrer vollen Schönheit (als Geistererscheinung: Sarah Gadon) in Erinnerung. Havana ist geradezu besessen von dem Wunsch, in einem Remake die Rolle zu spielen, die ihre Mutter einst berühmt machte. Doch der aufstrebende Arthouse-Regisseur entscheidet sich für eine Jüngere.

Die Geister der Vergangenheit wird auch Familie Weiss nicht los. Eine scheinbar naive und nette junge Frau kommt in die Stadt. Ihre starken Verbrennungen versteckt sie unter langen schwarzen Handschuhen, was ihr eine düstere Aura verleiht. Und tatsächlich hat Agatha (Mia Wasikowska) eine (Horror)-filmreife Vergangenheit. Auf der Suche nach Vergebung kehrte sie in die Nähe ihrer Familie zurück. Besonders aber ihr Vater, der sonst so verständnisvolle Selbsthilfeguru Stafford Weiss (John Cusack), lehnt sie kategorisch ab. Das Drama nimmt erneut seinen Lauf.

Für seine Verhältnisse erweist sich Cronenberg in “Maps To The Stars” fast als witzig. Nachdem Robert Pattinson in “Cosmopolis” die ganze Zeit durch die Gegend chauffiert wurde, lässt er ihn nun ironischerweise den Limousinenfahrer der Stars geben. Jerome ist eigentlich aber natürlich Schauspieler, wie so etwa jeder zweite Kellner in Los Angeles.

Kinderstar Benji (Evan Bird als Justin-Bieber-Verschnitt) hingegen lässt das Lachen im Halse stecken bleiben. Er steht mit seiner Ignoranz und menschenverachtenden Kommentaren für eine moralische und emotionale Verwahrlosung, die von Generation zu Generation zuzunehmen scheint. Sehr überzeugend schildert der Film die zerstörerische Kraft einer überlebensgroßen Welt, in der die Selbstwahrnehmung im schlimmsten Fall ausschließlich über die Rückmeldung durch andere geschieht. In einer Umgebung geprägt von New-Age-Pseudo-Spiritualität dreht so mancher durch und beginnt Gespenster zu sehen.

Man könnte dem Regisseur natürlich vorwerfen, nur auf Altbekanntes einzuprügeln, das man in Hollywood-Satiren wie “The Player” schon gesehen hat. Doch Cronenberg inszeniert den Hollywood-Horror als cleanen Psychothriller rund um eine dysfunktionale Familie in dem noch größeren Geflecht des kalten Starsystems. Nicht einfach anzusehen, zum Teil verstörend und näher dran an der Realität als man das glauben mag.

Denn mit Schriftsteller Bruce Wagner hat Cronenberg einen Drehbuchautor an seiner Seite, der seit Jahren die düsteren Seiten des Filmbusiness in L.A. aufdeckt und beschreibt, aber auch selbst darin lebt. Als eine Art Inside/Outsider darf er Geheimnisse ausplaudern und wird trotzdem noch zur nächsten Party eingeladen.