Showbiz.de - 2. September 2014

Robert Pattinson

 

Das Leben nach “Twilight” - ein Interview

 

Schmutz, Schweiß und tödliche Schießereien – im düsteren Endzeitthriller “The Rover”, der derzeit auf dem Fantasy Filmfest läuft, hätte man nicht unbedingt den “Twilight”-Star Robert Pattinson erwartet. An der Seite von Guy Pearce zeigt der schöne Brite als unterbelichteter, derber Nachwuchsgangster seine schauspielerische Bandbreite.

Die erkannte auch Kultregisseur David Cronenberg, der den 28-jährigen Robert Pattinson schon zum zweiten Mal besetzte: In “Maps To The Stars” (Kinostart: 11.09.), Cronenbergs Abrechnung mit der Schlangengrube Hollywood, gibt Pattinson einen verlogenen Limousinenchauffeur mit Schauspielambitionen. Was ihm der krasse Image-Wechsel abverlangte, darüber spricht der Frauenschwarm im Interview.

 

Showbiz: Temperaturen bis zu 50 Grad, Trockenheit und Staub – die Dreharbeiten zu “The Rover” waren kein Zuckerschlecken, oder?

Robert Pattinson: Ich mag Hitze und beim Dreh stand ich die ganze Zeit im eigenen Schweiß. Man durfte so richtig dreckig sein – das gibt es ja sonst so gut wie nie. Das alles half sehr dabei, in die Rolle zu finden. Am schlimmsten waren jedoch die Fliegen. Sie waren überall und ließen sich nicht vertreiben. Irgendwann hört man auf, nach ihnen zu schlagen und akzeptiert sie einfach. Das zu können, ist ein gutes Gefühl.

Der Film ist als moderner Western angelegt und spielt zehn Jahre nach einem fiktiven ökonomischen Zusammenbruch der westlichen Welt. Fühlte sich das echt für Sie an?

Auf jeden Fall! Wenn alles kollabiert, ist die Geburt einer solchen neuen Auge-um-Auge-Gesellschaft glaubwürdig. Davon fühle ich mich aktuell allerdings nicht bedroht.

Im Film muss Ihre Figur schießen lernen, um zu überleben. Was halten Sie von Waffen?

Ich kann damit nichts anfangen und finde es seltsam, wenn Leute welche zu Hause haben. Die sollten alle verschrottet werden!

Und Gewalt im Film?

Ich mag keine Filme mit Folter und solche, die sich an Gewalt weiden. Da stelle ich mir die Frage, was es den Zuschauern bringt, sich so etwas anzusehen. Die wollen sich wahrscheinlich gruseln. Für mich aber ist das nichts, vielleicht bin ich da einfach zu feige.

Wie würden Sie in einer Gesellschaft, in der das Recht des Stärkeren zählt, überleben?

Ich kann ganz gut für mich alleine sein und würde mich im Wald verstecken – und für immer dort bleiben.

In ihrer Post “Twilight”-Ära drehen Sie mit Regisseuren wie Werner Herzog, Anton Corbijn, Olivier Assayas und wiederholt mit David Cronenberg. Haben Sie mit den Hollywood-Großproduktionen abgeschlossen?

In großen Projekten steckt man zu lange drin, und es wird ein enormer Druck aufgebaut. Da muss mich erst wieder etwas richtig begeistern. Außerdem haben die Blockbuster-Rollen für junge Männer wenig zu bieten, die sind sich alle sehr ähnlich.

In “Maps To The Stars” zeigt David Cronenberg zudem, wie verkommen Hollywood ist. Deckt sich das mit Ihren Erfahrungen?

Dieser Film ist wunderbar subversiv. Ich war bei der ersten Vorführung in Cannes sehr darauf gespannt, wie das Publikum gerade auf die fiesen Sätze des Kinderstars Benji reagiert, der im Film gezeigt wird. Wie Cronenberg die Kids sprechen lässt, ist sehr ehrlich und weit verbreitet – das habe ich selbst oft in Hollywood erlebt. Da gibt es so viel Hass und negative Energie unter ihnen – ich weiß gar nicht, wo das herkommt, das ist merkwürdig. Aber auch Schauspielerinnen, die durchdrehen, wenn sie eine Rolle nicht bekommen, gibt es dort zuhauf.

Also lieber mit Menschen wie dem Kanadier Cronenberg arbeiten?

Auf jeden Fall! Er ist unglaublich mit seinen 71 Jahren. Bei ihm würde ich zu allem ja sagen. Ich habe ihm für zugesagt, ohne das Drehbuch gelesen zu haben. Für ihn musste ich auch noch nie vorsprechen.

Vorsprechen für eine Rolle gehört zu den Dingen, die bei Ihnen eine regelrechte Panik hervorrufen?

Ich hasse Auditions, bin sehr schlecht darin und bekomme geradezu Angstzustände. Also versuche ich, sie immer zu vermeiden. Bei “The Rover” musste ich sogar zweimal vorsprechen, aber mein Wille, diese Rolle zu bekommen, war so groß, dass ich es geschafft habe. Es war ein wunderbares Gefühl, als der Regisseur mir nach dem zweiten Mal sagte, dass es geklappt hat.

Sowohl “The Rover” als auch “Maps To The Stars” wurden in Cannes gezeigt. Sie wurden in beiden Fällen für Ihre Darstellung gelobt. Was bedeutet Ihnen das?

Mir ist das wichtig. Ich glaube auch keinem Schauspieler, der sagt, dass ihm völlig egal ist, was andere über ihn sagen. Eine Premiere in Cannes zu haben, ist sehr interessant, weil es den Leuten um die Filme geht und nicht nur um die Party danach. Inzwischen kann ich mich auch gut selbst auf der Leinwand sehen, ohne alles zu hassen. Das hilft bei der Weiterentwicklung.