Videoplay (Schweiz?) - April 1998

 

Auch wenn ihm die Rolle des Jack Dawson in "Titanic" keine Oscar Nominierung eingebracht hat: Der 23jährige Jungschauspieler, der nie eine Schauspielschule besucht hat, gilt mittlerweile als Hollywoods neuer Vorzeige Star. Jenny Cooney traf den neuen Superstar anläßlich der Premiere seines neuen Films "Der Mann in der eisernen Maske" in Los Angeles.

Jenny Cooney: In "Der Mann mit der eisernen Maske" spielst du jetzt eine Doppelrolle - den herrschsüchtigen Sonnenkönig Ludwig XIV. und seinen Bruder Philippe, der lebenslänglich eingekerkert wurde. Wie ist es dazu gekommen?

Leonardo: Ich hatte parallel das Angebot, in Paul Verhoevens "Starship Troopers" zu spielen, entschied mich aber für den Mantel- und Degenfilm. Schon als Kind faszinierten mich die Abenteuer der Musketiere, und außerdem war die Besetzung mit Gérard Depardieu, John Malkovich und Jeremy Irons unschlagber gut.

JC: Fühlt man sich da nicht in seine Kindheit zurückversetzt, wenn man mit Schwert und Degen hereumhantiert?

Leonardo: Naja, dieses Vergnügen hatten leider nur meine großen Kollegen, da ich als finsterer Herrscher nicht wirklich Cowboy und Indianer spielen darf. Aber bezogen auf die Ausstattung und die Kostüme war es schon ein Muß, einmal in einem mehr oder weniger historischen Film zu spielen - dem dafür ein wirklich fabelhaftes Drehbuch zugrunde liegt.

JC: Wie denkst du zurückblickend gesehen heute über die Arbeit an "Titanic" - und an den immensen Erfolg des Films?

Leonardo: Ich war gar nicht mal so interessiert an der Person des Jack Dawson, denn mit dieser Art von Gentlemen-Rollen kann ich eigntlich nicht viel anfangen. Ich spiele lieber die ausgeflippten, kaputten Typen wie in "Gilbert Grape" oder "Jim Carroll". Aber natürlich bin ich mit dem Erfolg des Films extrem zufrieden, wenngleich es mich schon überrascht hat.

JC: Du bist sehr jung, sehr erfolgreich, und mittlerweise sehr reich. Wie kommst du damit zurecht?

Leonardo: Ich versuche, nicht wirklich darüber nachzudenken. Natürlich bin ich stolz, denn für einen Typen ohne High School Abschluß habe ich eigentlich eine Menge erreicht.

JC: Du hast keinen Schulabschluß?

Leonardo: Nein, denn ich habe mich stets für andere Dinge - nur nicht für die Schule - interessiert. Mathe habe ich gehasst, stattdessen habe ich lieber mit den Schulkameradinnen geflirtet.

JC: Apropos Flirt: Vor einigen Monaten sagte man dir eine Affaire mit Demi Moore nach. Gibt´s darüber noch etwas zu sagen?

Leonardo: Völliger Blödsinn. Irgendein Paparazzo hat uns in einem Restaurant abgelichtet und sich eine wunderschöne Geschichte ausgedacht, die sich im Doppelpack natürlich gut verkaufen läßt. Auch wird immer behauptet, ich hätte etwas mit meinen Filmpartnerinnen. Ich meine, wie kommen die Menschen auf so einen Stuß? Halten die mich für einen Sex-Maniac?

JC: Hast du nicht manchmal Angst, daß dir etwas ähnliches wie River Phoenix passieren könnte? Der war in deinem Alter und hat ganz offensichtlich den Rummel um seine Person nicht mehr verkraften können. Er starb an einer Überdosis Drogen...

Leonardo: Ich denke, daß er sich und den anderen etwas beweisen wollte - und dabei den Realitätssinn verloren hat. Ich habe immer noch meine Eltern an meiner Seite, die mich davon abhalten, größere Dummheiten zu machen. (lacht) Die sind tief in ihrem Herzen zwar auch ausgesprochene Hippies, die alles schon mal ausprobiert haben, aber schocken kann sie eigentlich nichts mehr.

JC: Drogen war nie ein Thema?

Leonardo: Als Kind wurde ich auf dem Weg zum Spielplatz fast ständig von Drogenhändlern angesprochen. Manche Typen öffneten einfach ihren Trenchcoat und zeigten uns die Spritzen, die sie darunter griffbereit hatten. Zum Glück hat meine Mutter aufgepaßt. Und das tut sie heute noch: Sie achtet darauf, daß ich als Mensch den Boden unter den Füßen nicht verliere.

JC: Du hast noch nie einen Joint in den Händen gehalten?

Leonardo: Naja, Marihuana habe ich schon mal geraucht. Aber härtere Drogen - das ist nichts für mich. Daran können andere zugrunde gehen.

JC: Dir ist mal die Rolle des James Dean angeboten worden, und du hast auch lange darüber nachgedacht, das Angebot anzunehmen. Wieso hast du es letztlich abgelehnt?

Leonardo: Weil mir irgendwann bewußt wurde, daß man diesen Mann nicht nachahmen kann. Er ist eine Art Pop-Ikone, die heute noch unzählige Anhänger hat. Es handelt sich um einen immensen Druck, so jemanden zu verkörpern, und dabei seine Fans nicht vor den Kopf zu stoßen. Das Risiko schien mir zu groß.

JC: Es wird oft geschrieben, daß du nur des Geldes wegen Schauspieler geworden bist. Stimmt das?

Leonardo: (lacht) Ja, denn als mein Bruder mal für einen Werbespot 50,000 Dollar kassiert hat, habe ich mir gedacht: "Was der kann, kann ich auch!" Meine Mutter hat mir ein paar Jobs verschafft - unter anderem in einigen TV-Serien. Ich bin irgendwie von einem Job zum nächsten gehüpft - und daher überrascht es mich schon, was ich heute erreicht habe.

JC: Welchen Typ Frau bevorzugst du?

Leonardo: Frauen, die mich zum Lachen bringen.

JC: Du lebst noch mit dem Model Amber Valetta zusammen?

Leonardo: Ich habe nichts Gegenteiliges gehört.

JC: Gibt es neue Projekte?

Leonardo: Ich habe gerade die Arbeit am neuen Woody Allen Film beendet, aber jetzt ist erstmal Pause. Ich werde mich ein paar Monate lang erholen.

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