TV TODAY - ~Februar 2000

 

Ich hatte keine Lust, wegen des Erfolgs von Titanic zum Einsiedler zu werden. Ich wollte ganz normal weiterleben.

 

 

TV TODAY Mitarbeiter Mark Francis traf den 25-jährigen Superstar zum Interview auf Maui.

 

Wie sieht denn Ihre Vorstellung vom Paradies aus?

Ich glaube nicht, daß es so was überhaupt noch gibt. Heute ist doch so gut wie jedes Fleckchen Erde aud diesem Planeten entdeckt und erforscht.

Die Erfahrung macht auch Richard, die Figur, die Sie in The Beach spielen.

Ja, er zieht los, um so was wie ein Paradies zu suchen und muß dann feststellen, daß Menschen einfach nicht dafür geschaffen sind, im Paradies zu leben. Wir zerstören es mit absoluter Sicherheit, sobald wir es betreten. Der ganze Film steht symbolisch für unser Verhältnis zur Umwelt. Wir lernen einfach nicht, die Natur zu respektieren. Alles, was wir können, ist zu konsumieren, was immer uns in den Weg kommt - ohne Rücksicht auf Verluste.

Träumen Sie trotzdem manchmal davon, sich auf eine einsame Insel zurückzuziehen?

Die meisten Leute meinen ja, in einem Paradies würden sich all ihre Probleme einfach in Luft auflösen. Aber das ist ein Irrtum. In Wirklichkeit kann man seine bösen Geister nirgendwo loswerden. Egal, wo man ist, man muß mit sich selbst klarkommen. Nur darauf kommt es an. Aber natürlich wünscht sich jeder irgendwann mal, alles hinter sich zu lassen und einfach abzuhauen. Vor allem, wenn einem passiert ist, was ich in den letzten Jahren erlebt habe.

Sie meinen den Rummel um Ihre Person...

Ja, aber ich habe mich trotzdem dafür entschieden, nicht davonzulaufen, sondern dem Hype und der Gerüchteküche die Stirn zu bieten. Ich weiß nicht, ob das klug war, oder einfach nur dämlich. (Lacht) Aber ich hatte keine Lust, wegen des Erfolgs von Titanic zum Einsiedler zu werden. Ich wollte nur ganz normal weiterleben.

Und Ihre Karriere weiterverfolgen. Warum haben Sie sich von allen Angeboten gerade The Beach ausgesucht?

Es wäre doch todlangweilig, wenn ich nur noch den romantischen Liebhaber geben würde. Titanic war für mich die Chance, etwas zu tun, was ich noch nie zuvor getan hatte. Ein Experiment, das zum Glück erfolgreich verlief. Aber ich bin immer noch ein junger Schauspieler, der möglichst viel herumprobieren will und so unterschiedliche Rollen wie möglich spielen möchte. Ich denke auch, daß man das Publikum unterschätzt, wenn man meint, daß es immer und immer wieder das Gleiche sehen will.

Was wird denn Ihr nächste Projekt sein?

In drei bis vier Monaten beginnen wir mit den Dreharbeiten zu Martin Scorseses Bandenkrieg-Epos "Gangs of New York".

Zurüch zu The Beach: Als Sie das Drehbuch zum ersten Mal gelesen haben, was hat Sie daran am meisten fasziniert?

Das Wesentliche daran ist der realitische Bezug zu unserer Gesellschaft. Richard entdeckt auf seiner Reise, daß die ganze Welt dabei ist, verwestlicht und vereinheitlicht zu werden, und daß man dem nicht entrinnen kann. Alles ist abgepackt und vorgekaut. Selbst wenn er an den äußersten Zipfel von Thailand reist, findet er dort an jeder Ecke ein MacDonald´s Restaurant.

Welche Erfahrungen haben Sie persönlich auf Reisen und besonders in Thailand gemacht?

Das Reisen gibt mir immer eine Menge. Und so war es auch jetzt in Thailand. Ich habe wieder sehr viel Neues erfahren und gelernt. Zum Beispiel hatte ich davor keine Ahnung, wie viele junge Rucksacktouristen tatsächlich an den entlegensten Orten der Erde halb hippie-, halb nomadenhaft unterwegs sind. Auf der Suche nach irgendetwas, einer alternativen Lebensform zum Beispiel. Mittlerweile haben sie dadurch allerdings dafür gesorgt, daß sich all diese einstmals paradiesischen Orte immer mehr auf den Rucksacktourismus eingestellt haben. (Lacht) Das nennt man Ironie des Schicksals. Richard kommt sich deshalb auch vor wie auf einer Zugfahrt: Er denkt, der nächste Stop könnte die Antwort auf alle Fragen bringen. Und dabei geht es inzwischen nur noch um die Reise selbst.

The Beach dreht sich aber nicht nur um philosophische Fragen. Richard verliebt sich auch in eine schöne Frau. In welche Frauen verlieben Sie sich am ehesten?

Keine Ahnung. Ich glaube aber, in keine von diesen anspruchsvollen, prätentiösen Wesen. Und rachsüchtige, berechnende Frauen finde ich auch nicht sonderlich attraktiv. Ich mag an Frauen, wovon sich wahrscheinlich die meisten Männer angezogen fühlen: so kitschige sentimentale Eigenschaften wie Aufrichtigkeit und Liebenswürdigkeit.

Sie haben Ihre Freundin, das Model Kristen Zang, zu den Dreharbeiten nach Thailand mitgenommen. War das im Nachhinein wirklich eine gute Idee?

(Lacht) Ja, es war toll. Ich werde oft gefragt, warum ich immer mit einem ganzem Haufen von Feunden im Schlepptau zum Set komme und ob ich mich dann überhaupt noch auf meine Arbeit konzentrieren könne. Ich glaube, das hat damit zu tun, wie stark man die Rolle von der eigenen Identität trennen kann. Bei mir ist es so: In dem Augenblick, in dem der Regisseur "Action!" sagt, bin ich voll und ganz konzentriert. Aber bei "Cut!" bin ich wieder ich selbst. Außerdem: Wenn man mir schon vertraglich Tickets zusichert, warum sollte ich dann nicht meine Freunde einladen? Es wäre doch eine Sünde, die Tickets verfallen zu lassen, oder?

Welche Rolle spielt dieser Pulk, für den Sie geradezu berüchtigt sind, in Ihrem Leben?

Dieser Pulk! (Lacht) Meine Freunde wären ganz schön sauer, wenn sie wüßten, daß man sie als meinen Pulk bezeichnet. Denn, ob Sie´s glauben oder nicht, das sind alles Individuen. Es klingt vielleicht klischeehaft, aber meine Familie und meine Freunde sind für mich nun mal diejenigen Menschen auf der Welt, die mich erden. Und sie helfen mir immer wieder, über mein sogenanntes Image Witze zu machen und über die ganzen Presselügen, die doch manchaml frustrierend und verletzend sind, einfach nur noch zu lachen.

Haben Sie auch gelacht, als es in Thailand wütende Proteste gegen die angeblich umweltschädigenden Dreharbeiten hagelte?

Ich habe die Proteste nicht hautnah miterlebt. Wir waren viel zu sehr mit unserer Arbeit beschäftigt. Aber es war schon ganz schön irritierend zu hören, was wir alles mit dieser Insel angestellt haben sollen. Das waren nur Mißverständnisse und Lügen. Soweit ich es mit eigenen Augen sehen konnte, befindet sich die Landschaft dort jetzt in einem besseren Zustand als vor unserem Aufenthalt.

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