|
TV Spielfilm Nr.23/2007 INTERVIEW & KRITK
Leonardo DiCaprio über
Er gilt seit langem als Vorkämpfer für grüne Ideen in Hollywood. Nun hat Leonardo DiCaprio einen Film produziert, in dem er auch auftritt. Thema: die drohende Erderwärmung und was man dagegen tun kann.
INTERVIEW
Der Film heißt 'Die elfte Stunde'. Wieviel Zeit bleibt uns?
Als ich anfing, mich mit dem Thema zu beschäftigen, war ich ein besorgter Bürger. Jetzt, nach dem
Dreh und nachdem ich so viele Wissenschaftler gehört habe, kann ich nur sagen: Die Sache macht
mir Angst. Wenn wir nicht bald unseren Lebensstil ändern, und zwar auf der ganzen Welt, dann
sieht es für den blauen Planeten nicht gut aus.
Wie leben Sie selbst?
Ich wohne in einem Ökohaus, das mit Solarenergie betrieben wird.
Wer hat Ihr ökologisches Bewusstsein geweckt?
Meine Mutter hat dabei eine große Rolle gespielt. Sie betreut meine Webseite, leitet meine
Stiftung und hat großen Anteil daran, dass der Film zustande kam.
Was sagen Sie zu dem Friedensnobelpreis für Al Gore?
Ich frage mich, was passiert wäre, wenn er Präsident geworden wäre. Al Gore ist in der Lage,
wissenschaftliche Informationen so darzustellen, dass jeder sie versteht. Mit diesem Talent
hat er die grüne Bewegung in den USA gestärkt.
Wie wichtig sind Dokumentarfilme für die Umweltpolitik?
Für viele Menschen sind Fernsehen und Dokumentarfilme die wichtigste Informationsquelle.
Dokumentationen sind noch wichtiger als Nachrichten, weil sie mehr in die Tiefe gehen. Wenn ein Regisseur
einen Spielfilm dreht, ist er Gott. In einem Spielfilm bestimmt der Regisseur die Handlung.
In einer Dokumentation ist es die Welt selbst, die die Handlung formt. Deshalb zeigen Dokus die Wahrheit.
Manche werfen Ihnen vor, falsche Behauptungen aufzustellen. Sind Sie darauf vorbereitet?
Ich glaube, das geschieht jetzt schon. [lacht] Die Öl-Lobby hat auf der ganzen Welt Leute, die
ihre speziellen Interessen vertreten. Ich halte das für kurzsichtig. Wir können Wind- und Sonnenenergie
nutzen und Biokraftstoffe. Das wäre ein besserer Weg für die Wirtschaft, als weiterhin auf Öl zu setzen.
Wir scheren uns wenig um die Folgen unseres Handelns....
Das ist das Problem. Die nächste Generation wird die Folgen unseres Handelns zu spüren
bekommen. Wir brauchen eine jüngere Generation, die sich mit der gleichen Kraft für die Umwelt
engagiert, wie früher die Bewegungen für den Frieden oder die Menschenrechte.
KRITIK 11th Hour - die elfte Stunde
Wir sehen Großstädte unter der Smogglocke, tote Wälder und schmelzende Eisberge. Und wir hören
Wissenschaftler und Umweltaktivisten, die erzählen, wie sich die ökologische Krise aus ihrer Sicht
darstellt.
Problem Nr.1: Bild und Ton passen nicht zusammen. Man erfährt weder, welcher Regenwald abgeholzt wird,
noch wo die Abwässer ins Meer geleitet werden. Manchmal zeigen die beiden Regisseurinnen auch einfach nur
Postkartenmotive von Wasserfällen. Das ist für einen Dokumentarfilm zu wenig.
Problem Nr.2: Ökologische Zusammenhänge sind kompliziert. Statt aber den Forschern mal fünf
Minuten zu gönnen, um eine These zu erläutern, zwingen die Macher die Experten zu extrem kurzen
Äußerungen. Dadurch gerät alles in die Banalisierungsmühle und wird zu Redebrei zerkleinert.
DiCaprio macht seine Sache gut. Er wirkt ernst und überzeugend. Aber auf ihn kommt's diesmal nicht an.
R. Unruh The 11th Hour, USA 2007
*
|