Stern 12/97 - Frühjahr 1997

 

Ein cooler Romeo

Er liebt Julia (auf der Leinwand) und seine Oma (im wahren Leben). Und dann ist da noch das Gerücht über eine Liebesnacht mit Demi Moore... Hollywoods Teenie-Schwarm Leonardo DiCaprio über Schulmädchen, Shakespeare und Sauerkraut

 

Er humpelt zur Tür herein, ein Stündchen zu spät. "Sorry", sagt er lässig, "wir hatten ein richtig gutes Spiel." Leonardo DiCaprio war Basketball spielen mit Freunden am Strand von Venice, Los Angeles. Lässig wirft sich der Sonnyboy in den Sessel, zieht einen riesigen Addidas-Stiefel aus und reibt sich den geschwollenen Knöchel. Seine blonde Mähne hat er straff zurückgekämmt, eine Sonnenbrille steckt im Haar. In seinem gebräunten Jungengesicht blitzen die unglaublich blauen Augen, mit denen er einer ganzen Generation von Teenagern den Kopf verdreht.

Der 22jährige, der mit 19 bereits für den Oscar nominiert wurde (als behinderter kleiner Bruder von Johnny Depp in "Gilbert Grape - Irgendwo in Iowa") gilt als eines der größten Talente in Hollywood; alle Studios reißen sich um den Sohn eines italienischstämmigen Lebenskünstlers und einer schönen Mutter aus dem Ruhrgebiet.

Stern: In den USA wurde "Romeo und Julia" innerhalb weniger Wochen zum Kultfilm. Was ist bloß so cool an Shakespeare?

Leonardo: Unser Film ist einfach anders als alles, was man vom Theater kennt. Ich hatte zuerst auch Angst vor Shakespeare. In der Schule hatten wir zwar mal seinen "Sommernachtstraum" gelesen, aber das war´s.

Stern: Ihre "Julia", die Schauspielerin Claire Danes, hat gesagt, Sie hätten ihr gestanden, so einen Liebesausch noch nie erlebt zu haben.

Leonardo: Ach, das sind so Sätze, die in irgendeiner Zeitung stehen. Die hat sich jemand ausgedacht, weil wir im richtigen Leben nicht auch ein Liebespaar sind. Wir sind gut befreundet.

Stern: Ihre Liebesnacht mit Demi Moore hat dagegen bis nach Deutschland Schlagzeilen gemacht. Ist die etwa auch eine Erfindung? Immerhin gibt es auch Fotos von Ihnen beiden.

Leonardo: Alles frei erfunden. Der Fotograf hat uns entdeckt, als wir zusammen einkaufen waren, dann hat er uns nach Malibu verfolgt, zum Haus von Demi. Sie hat dort ihren Freunden ihren neuen Film "GI Jane" gezeigt. Wir waren zu sechst, haben Pizza gegessen, und abends um zehn habe ich das Haus wieder verlassen.

Stern: Es gab aber auch Bilder, die nahelegen, Sie hätten das Haus erst am nächsten Morgen wieder verlassen. Dementiert haben Sie die Story jedenfalls nie.

Leonardo: O Gott, es wird dauernd so viel Unsinn erzählt. Wo käme ich hin, wenn ich anfinge zu dementieren? Mir ist das völlig Wurscht. Das ist der Preis, den du zahlen mußt, wenn du berühmt bist. Ich sehe das ganz cool.

Stern: Haben Sie mit Demi Moore darüber geredet?

Leonardo: Ja, aber die hat auch nur gelacht. Die ist an solchen Schwachsinn schon zehn Jhre länger gewöhnt als ich. Die eine Woche wird sie zur Lesbe erklärt, die nächste zu meiner Geliebten...

Stern: Aber Sie scheinen sich besonders gut zu verstehen?

Leonardo: Ja, wir ticken irgendwie ganz ähnlich. Wir sind ja auch am gleichen Tag geboren, am 11. November. Wir haben eine Menge Gemeinsamkeiten, wir kommen aus L.A., sind ähnlich aufgewachsen... Sie ist eine echt coole Lady.

Stern: Im Internet haben wir grade gelesen, daß Sie schwul sind.

Leonardo: Da kann sich jeder Idiot an seinen Computer setzen und schreiben: "Hi! Ich bin Leonardo DiCaprio. Ich habe dort auch schon Gedichte gelesen, die ich geschrieben haben soll.

Stern: Die Frauen fliegen auf Sie. Sharon Stone wollte unbedingt, daß Sie ihren Partner in dem Western "Schneller als der Tod" spielen. Die scheint Sie auch besonders nett gefunden zu haben.

Leonardo: Sagt man, aber mehr als ein freundliches Flirten bei den Dreharbeiten war das nie.

Stern: Wie bleibt man auf dem Boden, wenn man plötzlich zum Mittelpunkt so eines Starrummels wird?

Leonardo: Es ist absolut wahnsinnig, was sich da im Moment so abspielt.

Stern: Was läuft denn?

Leonardo: (lacht) Ich meine die Schulmädchen ... also das hat Ausmaße angenommen ...

Stern: Davon träumen die anderen Jungs Ihres Alters, daß Millionen von Mädchen sie anhimmeln.

Leonardo: Ich beklage mich gar nicht, das gehört einfach dazu. Ich bin auch nicht der Typ, der sich in seiner vergitterten, schwer bewachten Villa versteckt. Ich gehe raus mit meinen Freunden.

Stern: Heißen Sie wirklich mit zweitem Namen Wilhelm?

Leonardo: Wie mein Opa, ja.

Stern: Können Sie auch deutsch?

Leonardo: (auf deutsch) O ja, ich war als Kind oft in Deutschland, meine Großeltern in Oer-Erkenschwieck besuchen.

Stern: Wie hat es Ihnen im Ruhrgebiet gefallen?

Leonardo: Ich liebe Deutschland. Es ist meine zweite Heimat. Ich erinnere mich, wie ich in Oer-Erkenschwieck bei einem Breakdance-Wettbewerb mitgemacht habe. Man hat mich wie etwas Besonderes behandelt, weil ich aus Amerika kam. Ich hab´ auch besonders cool getan, aber dann wurde ich nur Zweiter. Gott, war ich sauer.

Stern: Haben Sie noch Kontakt zu Ihrer Oma?

Leonardo: Sie ist gerade bei mir zu Besuch und macht meine Fan-Post. Sie liebt das, Tag und Nacht liest sie meine Briefe. Dann ist sie ganz aufgeregt. Manchmal hör´ ich sie schreien: "Leonardo, schau dir den an! Aus Thailand! Ich kann gar nicht glauben, wo man dich übrall kennt." Außerdem kocht sie Sauerkraut und Kartoffelpuffer für mich."

Stern: Sie haben lange bei Ihrer Mutter Irma gwohnt. Verstehen Sie sich gut?

Leonardo: Wahnsinnig gut, ich habe jetzt zwar mein eigenes Haus, aber ich übernachte noch oft zu Hause.

Stern: Ihre Eltern haben sich scheiden lassen, als Sie noch ein Baby waren. Haben Sie Ihren Vater vermißt?

Leonardo: Nein, ich hab ihn ja dauernd gesehen. Ich glaube, ich hatte die besten Eltern, die man sich denken kann. Sie haben mir viel Freiheit gelassen und mir immer vertraut.

Stern: Und Sie nie zu einer Ausbildung gedrängt?

Leonardo: Nein, ich habe halt bei der Arbeit gelernt, von Leuten wie Robert De Niro. Mit ihm habe ich meinen ersten Film gedreht: "This Boy´s Life". Er hat mir unglaublich viel geholfen. Wir verstehen uns intuitiv, ich kann an seinem Gesicht ablesen, was ihm gerade durch den Kopf geht.

Stern: Kürzlich standen Sie im Melodram "Marvin´s Room" mit Superstars wie Meryl Streep und Diane Keaton vor der Kamera. Haben Sie da auch was gelernt?

Leonardo: Ja, mehr als in jeder Schauspielschule. Zum Dank dafür habe ich sie zum Lachen gebracht.

Stern: Womit denn?

Leonardo: Egal. Die lachen über alles.

Das Gespräch führten die Stern-Korrespondenten Frances Schönberger und Claus Lutterbeck.

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