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Kleine Zeitung - 17. Januar 2009

 

Leondardo DiCaprio über seinen neuen Film "Zeiten des Aufruhrs"

von Markus Tschiedert

 

Hollywood-Star Leonardo DiCaprio über seinen neuen Film
mit "Titanic"-Traumpartnerin Kate Winslet,
Barack Obama und seine deutschen Wurzeln.

 

Herr DiCaprio, "Titanic" ist elf Jahre her, Kate Winslet und Sie wurden zum Traumpaar. Nun kehren Sie in "Zeiten des Aufruhrs" wieder gemeinsam ins Kino zurück. Warum erst jetzt?

LEONARDO DiCAPRIO: Vielleicht musste gerade so viel Zeit vergehen, um "Titanic" etwas hinter uns lassen zu können. Man fühlt sich schon etwas befangen, wenn man so einen großen Erfolg mit einem Film hatte, der sich nicht wiederholen lässt. Kate und ich sind nach "Titanic" gute Freunde geblieben und sprachen oft darüber, endlich wieder gemeinsam vor die Kamera zu treten, wenn das richtige Drehbuch kommt.

Hatten Sie keine Bedenken, in "Zeiten des Aufruhrs" wieder ein Liebespaar zu spielen?

DiCAPRIO: Ja, in gewisser Weise lassen sich unsere Figuren in "Zeiten des Aufruhrs" schon mit Rose und Jack aus "Titanic" vergleichen. Was wäre geworden, wenn beide das Schiffsunglück überlebt hätten? Sie heiraten und führen ein normales Leben in einem Vorort. Natürlich hat "Zeiten des Aufruhrs" sehr viel mehr zu bieten und die Geschichte von April und Frank, die aus dem Alltag ausbrechen und hoffen, in Europa etwas Neues aufbauen zu können, hat uns beide sofort angesprochen. Lieber wäre es uns aber gewesen, wir hätten den Film drehen können, ohne durch "Titanic" vorbelastet zu sein.

Klingt als würden Sie "Titanic" als Fluch sehen . . .

DiCAPRIO: Es ist nun einmal Fakt, dass "Titanic" der größte Kinoerfolg der Filmgeschichte wurde und meine Person damit immer wieder in Verbindung gebracht wird, egal was ich auch tue. Darüber bin ich mir heute im Klaren, auch wenn es mir von größter Bedeutung ist, mich als Schauspieler in anderen Genres und in anderen Rollen beweisen zu wollen. Ich habe mich an diese Situation gewöhnt und gehe meinen Weg einfach weiter. Letztendlich kann ich jedoch stolz darauf sein, in "Titanic" mitgewirkt zu haben.

Wie denkt Kate Winslet darüber?

DiCAPRIO: Ich kann natürlich nicht für sie sprechen, aber ich bewundere Kate als eine der besten Schauspielerinnen ihrer Generation, mit der ich ähnliche politische Ansichten teile.

Die politischen Meinungen Ihrer Freunde sind Ihnen also wichtig?

DiCAPRIO: Mir ist es wichtig, mit jedem Menschen politische Diskussionen führen zu können. Mein politisches Interesse ist gerade in den Jahren der Bush-Administration stark sensibilisiert worden, weil so viel falsch gelaufen ist. Dass Barack Obama nun zum neuen Präsidenten gewählt worden ist, macht mich wieder zu einem stolzen Amerikaner. Mir fällt in diesem Zusammenhang immer wieder ein ganz wichtiger Satz von Martin Luther King ein, der sagte, ein Mensch solle nach seinem Charakter und nicht nach seiner Hautfarbe beurteilt werden.

Welche Hoffnungen setzen Sie in Obama?

DiCAPRIO: Obama hat die Mittel, lang erwartete Veränderungen in unserem Land endlich umsetzen zu können, und zwar auf allen Gebieten, angefangen bei der Umwelt über die Wirtschaft bis hin zu den Kriegen, die im Nahen geführt werden. Sein Einfluss wird weltweite Auswirkungen haben. Es ist ein historischer Moment, dass ein schwarzer Präsident ins Weiße Haus einzieht, und ich freue mich, das miterleben zu dürfen.

Regie bei "Zeiten des Aufruhrs" führte Kates Ehemann Sam Mendes. Besonders bei den Liebesszenen muss das doch sehr befremdlich für Sie gewesen sein?

DiCAPRIO: Überhaupt nicht, denn wir haben es mit Humor genommen und dabei viel herumgealbert. Dadurch entstand eine ungezwungene Atmosphäre. Es war ja nicht so, dass wir zum ersten Mal eine Liebesszene gedreht haben. Wir haben beide also schon einige Erfahrungen und wissen, wir man ein eng verbundenes Paar zu spielen hat, und Sam war das ebenso klar. Also ganz klar eine professionelle Herangehensweise wie es sich in unseren Berufen eben gehört.

Im Sommer 2008 ist Ihre deutsche Großmutter mit 93 Jahren verstorben. Was verbindet Sie jetzt noch mit Deutschland?

DiCAPRIO: Sehr viel, schließlich ist auch meine Mutter eine Deutsche, und ihr war es immer wichtig gewesen, dass auch ich weiß, wo sie ursprünglich herkam. Ich verbinde schöne Kindheitserinnerungen mit Deutschland, vermisse meine Oma schrecklich, und schon deshalb werde ich auch weiterhin regelmäßig wiederkommen.

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