Petra (*)- Februar 2005
(* bitte berichtigen, falls es doch ein anderes Magazin war)

 

 

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"Schauspieler sind nicht für die ewige Liebe gemacht"

Sagt einer, der es wissen muss. Leonardo DiCaprio über japanische Fans, seine Jugend im Rotlichtbezirk und seinen Kampf gegen die Bush-Regierung

 

Der soll 30 sein? Leonardo DiCaprio steht auf der Treppe von einem der versteckten Bungalows des mondänen Hotels "Bel Air" und zieht an einem Zigarettenstummel. Ein 1,85-Schlacks, eher Teenie als Mann, in Schlabber-Jeans und dunkelblauem weiten Sweatshirt. Auf dem Kopf die unvermeidliche Baseball-Kappe, wie immer mit dem Schirm nach hinten - die typische Leo-Uniform.

DiCaprio, der als medienscheu gilt, gibt ausnahmsweise Interviews zu seinem neuen Film "Aviator" von Martin Scoasese, in dem er die Hauptrolle spielt. Die Biografie des amerikanischen Millionärs, Film-Moguls und Casanovas Howard Hughes, der in den 30er und 40er Jahren Hollywood unsicher machte und schließlich als psychisches Wrack endete, liegt dem Schauspieler am Herzen. Über zehn Jahre lang wünschte er den Stoff ins Kino bringen zu können.

Es ist kühl an diesem Abend in den Hollywood Hills. Aber DiCaprio möchte draußen bleiben. Er lässt sich auf einen der grünen Gartenstühle fallen und fummelt an der leeren, cremefarbenen Kaffeetasse herum, die vor ihm auf dem Tisch steht.

 

Wie viel Kaffee haben Sie heute schon getrunken?

Vier Tassen mindestens und dazu noch vier Tassen Tee. Meine Güte ! War ein langer Tag heute. Interviews geben und zwischendurch musste ich noch ein Meeting mit den Leuten von meiner Produktionsfirma einschieben.

Das klingt ja wie der Terminplan eines erfolgreichen Geschäftsmannes. Sind Sie mit 30 Jahren plötzlich erwachsen geworden?

Na ja, ich weiß nicht recht, ob ich mich wirklich erwachsen fühle. Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht.

Zumindest habe Sie sich ausgetobt - wenn man Berichten über Ihre legendäre Party-Clique Glauben schenken mag...

Rüchblickend muss ich zugeben: Es gab sicherlich Nächte, in denen ich einfach hätte zu Hause bleiben sollen. Aber ich war nun mal Mitte 20 und musste eben die Erfahrungen machen, die andere Jungs in dem Alter auch machen.

In "Aviator" spielen Sie zur Abwechslung mal keinen Halbwüchsigen, sondern einen gestandenen Mann. Was fasziniert Sie so an Howard Hughes?

Hier in den USA gilt Howard Hughes als der Prototyp des amerikanischen Tycoons. Ich habe schon als Teenager unglaublich viel über ihn gehört und gelesen. Aber es waren immer nur Geschichten über den alten Exzentriker Hughes. Der mit Kleenex-Schachteln an den Füßen, überlangen Fingernägeln und verfilzten Haaren. Er hat sich zehn Jahre in einem Hotelzimmer eingeschlossen und mit keiner Seele gesprochen. Eine wirklich monströse Figur, noch dazu mit einem krankhaften Hygiene-Fimmel. Aber er hatte andere Seiten, er galt zum Beispiel als Pionier der Luftfahrt.

In den 30er Jahren war Hughes eine Art Pop-Idol. Es gibt eine Szene im Film, in der er bei einer Film-Premiere über den roten Teppich läuft und angesichts der Menschenmassen eine Panikattacke hat. Kommt Ihnen das bekannt vor?

Oh ja ! Ich sage nur: Japan.

Japan?

Japaner können ganz schön ausflippen (lacht). Die lieben Hollywood-Stars ! Ich finde es toll, wie sich das japanische Publikum für amerikanische Filme begeistert. Allerdings geriet ich dort mal in eine Situation, in der ich es wirklich mit der Angst zu tun bekam, weil ich plötzlich von Abertausenden von Fans eingekesselt war. Natürlich habe ich in solchen Fällen Bodyguards, die mir helfen. Aber mein erster Gedanke war: "Hoffentlich kommst du hier heil wieder heraus !"

Seit "Titanic" sind Sie ein Welt-Star. Jeder Ihrer Schritte in der Öffentlichkeit wird beäugt, Paparazzis lauern hinter jeder Ecke. Werden Sie da nicht langsam zum Paranoiker?

Man muss sich eben arrangieren. Es gibt Schlimmeres als so ein bisschen Generve von Fotografen oder Klatschreportern. Ich kann mich wirklich nicht beklagen. Was mich nervt sind die Kids in meiner Branche, die rumzicken: "Wir brauchen als Entertainer mehr Rechte !" Zur Hölle mit denen ! Wir haben verdammt viel Glück gehabt und sollten einfach mal die Schnauze halten.

Sie reagieren trotzdem ziemlich gereizt, wenn man Sie nach Ihrem Privatleben fragt. Zum Beispiel, wenn es um Gisele Bündchen geht. Trennung oder Hochzeit? Ihre Fans sind einfach neugierig.

Ich kriege dauernd zu hören, ich sollte offener sein, mehr über mich rauslassen. Aber ich weigere mich, das zu tun. Ich glaube, du kannst als Schauspieler in einer Rolle nicht überzeugend sein, wenn die Leute wissen, wo du dein Gemüse einkaufst und welche Hobbys du hast.

Sie ließen sich doch schon mal von einem Reporter des Nachrichten-Magazins "Times" in den Supermarkt begleiten. Später wurde in der Zeitschrift der Kassenbon abgebildet.

Ich habe mich damals überreden lassen. Hinterher sah ich aus wie der letzte Blödmann. So etwas passiert mir nicht mehr. Ich will nicht mehr alles über mich preisgeben.

Trotzdem müssen wir nochmal nachhaken: Träumen Sie davon, irgendwann zu heiraten und eine Familie zu gründen?

Aber sicher ! Jeder sucht doch nach der Liebe fürs Leben. Ich finde es allerdings schwierig, eine Langzeit-Beziehung aufzubauen, wenn man den Partner nicht jeden Tag sieht. Vielleicht sind Schauspieler einfach nicht dafür gemacht.

Sie selber haben ja eine sehr ungewöhnliche Kindheit gehabt...

Ich bin in einer heruntergekommenen Gegend Hollywoods aufgewachsen. Mein Bett bestand aus Kartons, und mein Spielplatz war eine Straße voller Sex-Shops und Puffs, in der an jeder Ecke Crack-Junkies herumlungerten. Ständig gab es Schlägereien. Eine harte Nachbarschaft - aber es war auch cool, dort zu leben. Weil ich schon in jungen Jahren mit dem wahren Leben konfrontiert wurde. Das hat mir bei meiner Arbeit als Schauspieler immer wieder geholfen.

Um Figuren wie Stricher und Junkies authentisch darzustellen?

Ja. Aber ich habe generell eine Schwäche für Menschen entwickelt, die ein bisschen neben der Spur sind. Das liegt auch an meinem Vater, der Comiczeichner war und diese ganzen Hippie-Künstler mit nach Hause brachte. Das war eine Welt voller wunderbar durchgeknallter Charaktere.

Ist dieses Interesse für Menschen am Rand der Gesellschaft ein Grund, warum Sie sich plötzlich für Politik engagieren?

Sie spielen bestimmt auf mein Engagement für den Präsidentschaftskandidaten John Kerry an. Es ging mir dabei primär um das Thema Umwelt. Das ist bei allen Parteien in den letzten Jahren ziemlich untergegangen. Ich wollte vor allem junge Leute dafür interessieren. Was Umweltpolitik betrifft, hat keine Regierung in der Geschichte Amerikas so versagt wie das Bush-Kabinett. Sie weigern sich, das Abkommen von Kyoto zu unterzeichnen und damit etwas gegen den Treibhauseffekt zu unternehmen. Bush kümmert sich einen Dreck um irgendwas in dieser Richtung.

Sie setzen sich schon seit Jahren für den Umweltschutz ein.

Ja, und gerade deshalb wollte ich die Jungwähler darauf aufmerksam machen, dass es noch etwas anders gibt, um das man sich Sorgen machen sollte als den Krieg im Irak, die Gesundheitspolitik oder die Wirtschaftslage. Ich bin deswegen von einigen Seiten sehr angegriffen worden - aber wen kratzt das?

Was hat man Ihnen vorgeworfen?

Die meinten: Warum, zum Teufel, will uns ausgerechnet ein Film-Star erzählen, was in der wirklichen Welt los ist? Ich habe deshalb auf Wahlkampfveranstaltungen jede meiner Reden damit begonnen, dass ich nicht als Schauspieler oder Politiker spreche, sondern als Bürger der Vereinigten Staaten. Ich schneide immer nur ein paar Themen an, denn ich habe von vielem keinen blassen Schimmer. Aber ich weiß sehr genau, dass die jetzige Regierung unsere Umwelt eigennützigen Interessen geopfert hat.

Wie haben Sie sich gefühlt, als klar war, dass Kerry verlieren würde?

Es hat mir das Herz gebrochen. Und nicht nur mir. Ich kann Ihnen verraten, dass ein Haufen Leute auswandern will.

Haben Sie auch daran gedacht?

Nicht zu diesem Zeitpunkt.

Was müsste denn passieren, um Sie aus dem Land zu treiben?

Wissen Sie, man sollte dableiben und den jungen Leuten verklickern, dass es um ihre Zukunft geht. Damit beim nächsten mal noch mehr von ihnen wählen gehen. Ich glaube übrigens nicht, dass John Kerry ohne die Unterstützung der Erstwähler und der vielen Bürgerinitiativen überhaupt so weit gekommen wäre. Leider herrscht hier bei den Jungen immer noch eine gewisse Ignoranz, was das Wählen betrifft. Sehr seltsam. Aber wir müssen einfach das Beste aus der Situation machen. Wir leben in ziemlich turbulenten Zeiten. Und da gilt nur ein: weiterkämpfen !

 

* Leider kann ich nicht mehr herausfinden, wer dieses Interview und für welche Zeitschrift geführt hat. Vielleicht kann mir jemand weiterhelfen....

 

 

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