GALA - Januar 1998: Gespräch mit Helene In Den Birken

 

Der Titanic-Star: Omas Liebling

Der begehrteste Jungstar Hollywoods hat eine Großmutter in Deutschland. In GALA spricht Leonardo DiCaprio´s Oma über ihren berühmten Enkel

 

 

Wann haben Sie Ihren Enkel das letzte Mal gesehen?

Erst vor wenigen Wochen. Ich war in London bei der Premiere von "Titanic". Da waren wir eine Woche zusammen. Leonardo, seine Mutter und ich.

Wie gefällt Ihnen der Film?

Ich fand ihn sehr abenteuerlich. Der Regisseur hat sich ja sehr viel Arbeit und Unkosten damit gemacht.

Hat es sich gelohnt?

Ja, wahrscheinlich. Man hört allgemein ja nur Gutes.

Ihr Enkel wird für die Rolle des Jack sehr gelobt ...

Ja, nicht wahr? Dabei hat er ja schon viele Filme gemacht.

Gefiel Ihnen Ihr Enkel in dieser Rolle am besten? Oder haben Sie einen anderen Lieblingsfilm?

Ich mochte ihn am liebsten in "Total Eclipse". Er hat dort den französischen Dichter Rimbaud dargestellt, der von seinem 16. bis 20. Lebensjahr gedichtet hat. Dann ist er krank geworden und früh gestorben. Ich meine, das war eine sehr gute und schwere Rolle, die Leonardo darstellen mußte.

Stimmt es, daß Leonardo deutsche Küche sehr gerne mag?

O nein, nein. Seine Lieblingsgerichte sind italienisch und chinesisch. Aber früher, als er mich in den Schulferien hier besuchte, da hat er auch gerne die deutsche Kost gegessen.

Heute besuchen Sie ihn öfter?

Ja, genau. Voriges Jahr war ich von November bis April bei ihm in Los Angeles. Im Juli war ich dann wieder eine Woche mit ihm zusammen in Paris. Dort hat er in einem Vorort einen Film gedreht. Es ist sehr schade, daß Leonardo nicht zur Deutschland-Premiere von "Titanic" kommt.

Warum eigentlich nicht?

Er ist jetzt gerade in Miami. Wegen eines neuen Films. Die Zeit reicht einfach nicht, denn am 18. Januar muß er ja schon wieder in Los Angeles beim Golden Globe sein. Er schafft das einfach nicht. Er hatte eigentlich vor, nach Hamburg zu fliegen, denn das ist ja in der Nähe von mir, und normalerweise würde er mir den Gefallen tun und kommen, damit wir uns wieder treffen. Aber fest versprochen hat er, daß er am 15. Februar zur Berlinale nach Berlin kommt.

War bei Leonardo schon als Kind das Talent zur Schauspielerei zu erkennen?

Er hat ja schon früher viele Faxen gemacht und gerne Menschen nachgemacht. Wie alte Frauen laufen, was sie für Gesichter machen, wenn sie schlecht aufgelegt sind. Er war ein sehr, sehr lebhaftes Kind.

Erinnern Sie sich an das Gefühl, als Sie Ihren Enkel das erste Mal auf der Leinwand sahen?

Ja, es war im Film "This Boy´s Life" mit Robert De Niro, mein Mann und ich waren beide bei der Premiere dabei, da haben wir beide geweint. Für mich war das damals ein ganz besonderes Erlebnis und ein sehr guter Film, denn Leonardo war erst 17 Jahre alt und hatte noch keine Erfahrung. Er hat das so gut gespielt. Für einen unerfahrenen Filmschauspieler enorm gut.

In Amerika überschlagen sich die Kritiker und schwärmen von Ihrem Enkel Leonardo, daß er eine so ungeheuer starke Präsenz auf der Leinwand besitzt ...

Und das, wo er doch nie Schauspielunterricht gehabt hat. Nur ganz kurz hat er mal in einer Familienserie mitgespielt, nur wenige Episoden. Und da hat ihn dann Robert De Niro für seinen Film ausgewählt.

Auch Freunde von Leonardo schwärmen von ihm, wie normal er trotz seines großen Erfolges geblieben ist.

Ja, das stimmt, er ist ganz einfach und bescheiden geblieben.

Haben Sie sich schon mal überlegt, ganz zu ihm und zu seiner Mutter nach Los Angeles zu ziehen?

Manchmal ja, aber die Stadt ist mir zu fremd. Immer muß man sich ins Auto setzen. Vielleicht hält mich mein Mann auch so sehr hier. Er ist vor zwei Jahren gestorben. Ich besuche sein Grab mehrmals in der Woche.

Leonardo ist wie bereits gesagt für den Golden Globe als bester Schauspieler nominiert. Fliegen Sie für die Verleihung wieder nach Los Angeles?

Meine Tochter und Leonardo haben mich eingeladen, aber ich möchte jetzt erstmal hierbleiben. Im April will ich sie wieder besuchen.

Was empfinden Sie als Großmutter, da Leonardo DiCaprio jetzt so berühmt ist?

Na ja. Die jungen Mädchen, die sind lästig, und das Telefon auch. Nach "Romeo und Julia" war es schlimm. Ich war drüben in den USA. Als ich wiederkam, war mein Telefon abgestellt. Die Telekom hat mir später erklärt, daß jemand angerufen hat und das Telefon einfach abbestellt hat. Wahrscheinlich hat das jemand aus Boshaftigkeit getan, weil niemand die Anrufe beantwortete. Jugendliche bemalen die Türen und Wände. Die werfen Briefe in meinen Postkasten und schreiben mir, schicken Päckchen und Fotos.

Was schreiben die Mädchen an Ihre Wände?

Daß sie Leonardo lieben, dazu ihren Namen und Telefonnummer. Hier im Flur - wir haben schon so viel abgewaschen.

Beantworten Sie die Briefe?

Nicht alle. Wenn so ein kleines Mädchen Jugendschwärmereien hat, das sollte man nicht so ernst nehmen. Die phantasieren ein bißchen. Leonardo ist ja so eine Art Teenager-Idol. Ab und zu schicke ich ihnen Fotos zu. Als ich jetzt in London war, hat mit Leonardo unterschriebene Fotos mitgegeben. Die verschicke ich als Autogramme.

Stimmt es eigentlich, daß Leonardo seinen Namen bekam, weil seine Mutter im schwangeren Zustand vor einem Gemälde von Leonardo da Vinci stand?

Ja, richtig ist, sie war damals in Italien mit ihrem Mann. Ich wollte ja immer, daß er Wilhelm heißt, wie mein Mann. Aber meine Tochter Irmelin sagte, er hat doch einen italienischen Nachnamen, das hört sich schöner an, wenn er auch einen italienischen Vornamen hat. Und das ist viel besser so. Viele denken, das sei ein Künstlername, aber das stimmt nicht. In seinem Paß steht Leonardo Wilhelm DiCaprio.

Wenn Sie in Los Angeles Ihre Familie und Leonardo besuchen, was unternehmen Sie dann gemeinsam?

Mein Enkel schleppt mich immer überall herum. Dann fahren wir nach Sante Monica. Zum Beispiel zu einem Fischrestaurant am Strand. Ich habe schon viel gesehen. Wir waren auch mal bei dem "Titanic"-Regisseur James Cameron eingeladen. Ins Kino geht er nicht mit mir, mehr ins Museum. Leonardo geht furchtbar gerne ins Museum.

Hat er Ihnen von den Dreharbeiten zu "Titanic" erzählt?

Da war ich dabei!

Und wie war das?

Na, das war schwer. Die mußten alle schwer arbeiten. Ich war ein paar Tage da, da wurden die Hauptszenen unter Wasser gedreht, wo Leonardo angekettet wurde. Ich war eine ganze Woche dort in Mexiko. Ich war dabei, als "Marvin´s Töchter" gedreht wurde. Da bin ich mit ihm nach Florida und ins Disneyland gereist.

Was meinen Sie: Ist Leonardo glücklich?

O ja. In London bei der Premiere konnte er zwar nur drei Tage bleiben, da mußte er gleich wieder weiter nach New York. Er ist zur Zeit schwer beschäftigt. Aber er liebt das. Das ist sein Leben.

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