Hit! Interview

Leonardo DiCaprio

Er ist nicht glücklich über sein Image als Teeniestar.

In Hit! verrät Leonardo DiCaprio, was für ihn das wichtigste im Leben ist!

Du hast bereits in deinem zweiten Film einen Typen gespielt, der jünger ist als du im wirklichen Leben. Wie lange glaubst du, geht so etwas noch?

Ich weiß nicht. Viele Schauspieler, die ihre Karriere bereits in ihrer Jugend gestartet haben, haben Probleme mit dem Übergang zu Erwachsenenrollen. Aber ich stelle mir das nicht so schwierig vor. Ich sehe keinen Grund, warum ich, wenn ich älter aussehe, nicht auch erwachsenere Rollen spielen können soll. Ich glaube, wenn ich älter werde, werden mir solche Rollen automatisch angeboten. Und ich sollte doch in der Lage sein, diese auch überzeugend zu spielen. Ich bin inzwischen selbstsicher genug, um schon jetzt eine Erwachsenenrolle zu spielen. Ich sehe nur im Moment noch nicht aus wie ein 25jähriger. Aber das kommt von selbst. Ich kann schließlich nicht immer so jung aussehen.

Du bist gerade erst 20 geworden und schon sehr erfolgreich. Was machst du, um nicht abzuheben?

Das ist bestimmt nicht leicht. Ich glaube, jeder Jugendliche macht so eine Phase in seinem Leben durch, in der er verrückte Sachen macht, um cool zu wirken. Es ist klar, daß man als Jugendlicher unsicherer ist als ein erfahrener Erwachsener. Und als erfolgreicher Jugendlicher hat man es noch schwerer. Aber ich versuche einfach, solche Situationen so gut wie möglich zu bewältigen. Natürlich wird man nicht von heute auf morgen ein fertiger Mensch. Am schlimmsten wäre, sich zu schnell zu entwickeln.

Wie wichtig war es für dich, am Anfang deiner Karriere eine Rolle in "Unser lautes Heim" zu bekommen?

Damals war ich noch nicht selbstsicher genug, um zu wissen, daß ich auch in Filmen mitspielen kann. Deshalb war "Unser lautes Heim" für mich wichtig. Aber wenn ich heute zurückblicke, ist die Serie wie eine Maus und meine Filme sind wie Elefanten. Damals war der Beruf eines Serienschauspielers für mich eine große Sache. Aber als ich für "This Boy´s Life" engagiert wurde, wußte ich automatisch, daß mich diese Rolle gewaltig verändern würde. Und auch, daß meine Karriere als Schauspieler eine andere Wendung dadurch bekommen hat.

Heißt das, daß du nicht besonders stolz auf deine Zeit als Serienschauspieler bist?

Das ist es nicht. Ich meine, als regulärer Darsteller in einer Sitcom verdient man nicht schlecht und hat ein gutes Leben. Aber ich wußte, daß mir dies nicht lange gefallen würde. Ich wußte, daß Filmschauspieler auf jeden Fall der bessere Weg ist.

Hast du in deiner Zeit bei "Unser lautes Heim" viel für deine spätere Karriere gelernt?

Auf jeden Fall. Selbst in den vier Jahren davor, als ich in vielen Werbespots aufgetreten bin, habe ich viel gelernt. Ich könnte sogar soweit gehen, zu sagen, daß ich nie Filmschauspieler geworden wäre, wenn ich nicht die Rolle in "Unser lautes Heim" gehabt hätte.

Was war das für ein Gefühl, als du durch "Unser lautes Heim" plötzlich zu einem Tenieschwarm wurdest?

Teenager-Magazine in der ganzen Welt haben über mich berichtet. Für sie war ich "Die kleine Teenager Attraktion". Und plötzlich hatte ich zahlreiche weibliche Fans. Seit dieser Zeit erkennen mich viele Girls auf der Straße. Und das ist für einen jungen Typen wie mich natürlich ein tolles Gefühl. Aber noch besser war es, als ich durch meine zwei Filme auch einem erwachsenen Publikum bekannt wurde. Denn nur das bringt meine Karriere wirklich einen Schritt vorwärts.

Du hast damals bei "Unser lautes Heim" wie eine Bombe eingeschlagen. Gegen Ende der Serie sollst du sogar mehr Fanpost bekommen haben als der Star Kirk Cameron?

Das stimmt. Ich habe über 2000 Briefe die Woche bekommen. Es war so eine Menge, daß ich extra einen Briefservice beauftragen mußte, die ganze Post zu bearbeiten. Ich war von diesem Boom total überrascht. Und wie ich schon gesagt habe, war es nie ein Ziel von mir, Teenieschwarm zu werden.

Viele Girls sehen in dir ein Sex-Symbol. Magst du das nicht?

Nein, ich hasse dieses ganze Sex-Symbol-Gerede. Wenn ich mich und diese ganzen anderen hübschen Jungs in den Teenie-Magazinen sehe, komme ich mir vor wie ein Teil einer großen Fleischfabrik. Solche Schlagzeilen wie "Sex-Symbol des Monats!" sind fürchterlich. Wenn sie schreiben: "Seht euch nur diesen süßen Jungen an - er heißt Leonardo DiCaprio!", dann ist das fürchterlich. Die nehmen mich doch nur deshalb auf den Titel, weil sie damit mehr Hefte verkaufen wollen.

Aber du brauchst doch Fans. Und es ist doch natürlich, daß die meisten deiner Fans etwa in deinem Alter sind.

Schon, aber ich will nicht einer jener Teeniestars sein, über die ständig irgendwelcherSchwachsinn erfunden wird. Ich habe hart gearbeitet, um ein guter Schauspieler zu werden. Dies und eine gute schauspielerische Leistung sollten die einzigen Gründe sein, warum über mich berichtet wird.

Hast du mal mit Kirk Cameron über diese Sache gesprochen? Er wurde ja auch durch "Unser lautes Heim" zu einem Teeniestar?

Ja, habe ich. Er hat mir einige Ratschläge gegeben, wie ich damit umgehen soll. Er riet mir, die ganze Sache nicht so ernst zu nehmen, sondern einfach Spaß dran zu haben. Aber für mich ist die Schauspielerei eine sehr ernste Sache.

Hattest du eigenlich schon einmal Probleme mit aufdringlichen Fans, die herausgefunden haben, wo du wohnst, und dich dann zu Hause aufgesucht haben?

Zum Glück waren bisher nur wenige meiner jungen Fans in der Lage herauszufinden, wo ich wohne. Etwas angst hat mir gemacht, als ich hörte, daß man jedermanns Adresse über das Straßenverkehrsamt in Los Angeles herausfinden kann. Ich meine, es ist doch wichtig, daß ich auch einen Ort habe, an den ich mich vor dem Rummel zurückziehen kann: eigentlich müßten Fans das doch verstehen. Wenn sie mich so gerne mögen, sollten sie auch meine Wünsche respektieren.

Was ist passiert, als dich Fans zu Hause aufgesucht haben?

Es waren zum Glück keine zu aufdringlichen Fans. Sie haben nur tagelang mit ihrem Auto in der Auffahrt gewartet, bis ich schließlich zu ihnen rausgegangen bin. Natürlich habe ich ihnen Autogramme gegeben. Aber ich habe ihnen auch klargemacht, wie nötig ich meine Privatsphäre brauche.

Sowohl "This Boy´s Life" als auch "Gilbert Grape" spielen in kleinen amerikanischen Städten. Ist das Absicht?

Nein, gar nicht. Ich habe nie gesagt, daß ich keinen Film in einer Großstadt drehen will. (Er lacht.) Aber trotzdem stimmt es, daß ich von Kleinstädten fasziniert bin. Sie sind so friedlich und die Menschen gehen alles gemächlicher an. Es sieht so aus, als ob nichts Kleinstädter aus der Ruhe bringen könnte. In der Großstadt herrscht eine Ellbogengesellschaft und jeder kämpft gegen jeden. Dort kannst du niemals du selbst sein.

Hast du für Jugendliche, die Schauspieler werden wollen, einen Ratschlag, wie sie am besten ins Geschäft kommen?

Das wichtigste ist, daß ein Anfänger niemals Angst vor einem kleinen Start hat. Es fängt fast immer mit Werbefilmen und Statistenrollen an. Dann benötigen sie auf jeden Fall einen guten Agenten. Und wenn du gut bist, machst du meistens deinen Weg. Ganz wichtig ist, sich auch bei Rückschlägen niemals kleinkriegen zu lassen. Absagen sind normal. Man darf sie nie persönlich nehmen. Schließlich bewerben sich oft 200 bis 300 Schauspieler. Da kann es dauern, bis man sich durchsetzt.

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