Hit! Interview

 

Ich bin stolz auf meine Erfahrung in Gilbert Grape!

Er ist gerade 20 und wurde schon für den Oscar nominiert. Hit!-Mitarbeiterin Melissa Miles sprach mit Leonardo DiCaprio

 

 

Spätestens seit seiner Oscar-Nominierung als bester Nebendarsteller in "Gilbert Grape" ist Leonardo DiCaprio einer der meistbeachteten Schauspieler Hollywoods. Sogar die gefürchteten US-Filmkritiker loben ihn hoch. Kein Wunder, daß sich die besten Agenten um ihn reißen. Aber auch Leo weiß um seinen Stellenwert. Als Mike Ovitz, mit seiner Creative Artists Agency einer der mächtigsten Agenten der Traumfabrik, Leo ein Angebot machte, sagte der erstmal ab. Denn er war seit Anfang seiner Karriere bei der kleinen Agentur von Harold Gold unter Vertrag. Doch dann hatte er ein Gespräch mit einem Kollegen, der offenbar viel Einfluß auf ihn hat: Superstar Robert De Niro. Und kurze Zeit später war Leo bei Creative Artists unter Vertrag.

Robert De Niro war zumindest mitverantwortlich, daß du zu einer der größten Künstler-Agenturen Hollywoods gewechselt bist. Warum hat er so großen Einfluß auf dich?

Robert ist ein Künstler, der genau weiß, was er will, und seinen Weg konsequent verfolgt. Die Schauspielerei ist für ihn das wichtigste in seinem Leben, und er läßt sich durch nichts davon abbringen. Ich bewundere, wie er arbeitet, wie er sich auf eine Rolle konzentriert und sich auf sie vorbereitet. Er taucht tiefer in die Charaktere ein, die er darstellt, als ich es jemals könnte. Ich glaube, ich würde verrückt, wenn ich über einen Zeitraum von mehreren Monaten jeden Tag nur an einer einzigen Rolle arbeiten würde. Deshalb habe ich großen Respekt vor ihm.

Wie bereitest du dich dann auf eine Rolle vor?

Ich bin eher ein spontaner Typ, der ohne große Vorbereitung einfach das macht, was er tun soll. Und wenn ich mit einer Textzeile nicht klarkomme, spreche ich mit dem Regisseur.

In deinen bisherigen zwei Filmen hast du jeweils Menschen dargestellt, die entweder mißhandelt wurden oder geistig zurückgeblieben sind. Kennst du so jemanden aus deinem Privatleben?

Mir fällt keiner ein, den ich hier nennen möchte. Aber ich kenne tatsächlich einige Kinder, die mißbraucht wurden. Sie müssen wahrscheinlich ihr ganzes Leben darunter leiden. Zum Glück hatte ich persönlich nie mit so etwas zu tun. Ich habe auch nicht sehr viel Erfahrung mit geistig Behinderten. Um die Rolle richtig spielen zu können, mußte ich instinktiv reagieren. Es ist nämlich nur schwer möglich, die Gefühle dieser Kinder nachzuempfinden. Außerdem ist es doch so, daß die wenigsten Menschen wirklich wissen wollen, was solche Kinder fühlen und denken. Auch ich machte das erste Mal die Erfahrung, wie man sich als Behinderter fühlt, als ich die Rolle spielte.

Hast du dich durch deine Rolle in "Gilbert Grape" wirklich wie ein Behinderter gefühlt?

Doch, mir ist es manchmal nach den Dreharbeiten ziemlich schlecht gegangen. Aber das Gute war, daß ich am Drehort ständig von Menschen umgeben war, die mir halfen, nicht zu sehr deprimiert zu sein. Es war nicht gerade ein traumatisches Erlebnis, aber trotzdem habe ich mich manchmal einem Zusammenbruch nahe gefühlt. Obwohl ich wußte, daß es nur eine Rolle war, hat mich die Darstellung eines Behinderten doch mitgenommen.

Eine solche Rolle bedeutete für dich sicher auch eine große Verantwortung. Woher wußtest du, wie man einen Behinerten überzeugend darstellt?

Auch wenn ich gerne spontan spiele, mußte ich mich natürlich für diesen speziellen Film besonders vorbereiten. Ich traf Kids, die geistig etwas zurückgeblieben sind und beschäftigte mich intensiv mit ihnen. Diese Rolle in "Gilbert Grape" war schließlich eine große Herausforderung für mich. Nach einiger Zeit war das Verhalten dieser Kinder ganz natürlich für mich. Und deshalb kam ich auch mit der Rolle klar. Aber trotzdem: Kein Mensch kann wirklich verstehen, was in den Köpfen solcher Kinder vorgeht. Ich konnte nur hoffen, daß ich einen geistig Zurückgebliebenen so darstelle, daß dieser Charakter Respekt verdient. Ich habe mir große Gedanken darüber gemacht, wie meine Rolle auf die Zuschauer wirkt. Das schlimmste wäre für mich gewesen, wenn ich diesen Jungen als eine lächerliche Person dargestellt hätte. Es ging mir nämlich auch darum, die Menschen sensibler für die Situation Behinderter zu machen.

Hast du gerne mit Johnny Depp und Juliette Lewis zusammengearbeitet?

Ja, sie haben mir sehr geholfen, die ganze Sache nicht zu ernst zu nehmen. Und das war sehr wichtig, da diese Rolle die Intensivste meines bisherigen Lebens war. Und die Gefahr war groß, daß ich mich zu sehr mit meinem Charakter identifiziere. Deshalb waren Johnny und Juliette sehr wichtig für mich. Sie ließen nicht zu, daß mich die Rolle total vereinnahmte. Ich bin unheimlich stolz, daß ich in "Gilbert Grape" so eine großartige Erfahrung machen durfte.

 

 

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