Hit! Interview zu "Total Eclipse"

 

 

Es war schwer, einen Mann zu küssen !

 

Leonardo DiCaprio liebt es, an seine Grenzen zu gehen. Als Geisteskranker machte er in "Gilbert Grape" zum ersten Mal mit Nachdruck auf sich aufmerksam. Jetzt spielt der 21-jährige in "Total Eclipse" den Dichter Arthur Rimbaud, der im 19. Jahrhundert durch sein unglaubliches Talent und seinen verschwenderischen Lebensstil bekannt wurde. Im Film muß Leo Altersstufen von 12 bis 37 darstellen, mit Männern und Frauen ins Bett gehen und sein Bein amputieren lassen. Leo im Exzess !

 

 

Beschreibe uns doch mal deine Rolle in "Total Eclipse"?

Rimbaud war absolut einzigartig und hatte ein tragisches Leben. Er hat sich einen Namen als Schriftsteller gemacht, als er noch ein Teenie war und sich sein Liebesleben erst entwickelte. Er hatte eine derart intensive Liebesbeziehung zu seinem männlichen Mentor Verlaine, daß er ihn zum Schluß sogar ermordete. Er wollte so viele Dinge im Leben ausprobieren, grenzen- und hemmungslos, wie es sich nur wenige trauen.

Wärst du gern als Rimbaud auf die Welt gekommen?

Nicht im wirklichen Leben, aber ich hatte die tolle Möglichkeit, mich auf der Leinwand in seinen Charakter zu versetzen. Das ist das coole an diesem Job, ich kann viele verschiedene Erfahrungen sammeln, bleibe aber immer ich selbst.

Wie war es, im Film einen Mann zu küssen?

Es macht wirklich keinen Spaß, wenndu nicht schwul bist. Aber es ist ein Teil meines Jobs. Ich mußte es nur einmal tun, aber es wird hunderte Male in den Kinos gezeigt. Ich bin stolz, daß ich es geschafft habe, die Herausforderung zu meistern.

Wie gehts es dir sonst mit Leinwandküssen?

Es ist natürlich nicht so schön, wie im wirklichen Leben, weil keine echten Gefühle im Spiel sind. Es ist nichts Romantisches dabei. Wenn ich sonst ein Mädchen küsse, fühle ich sehr viel mehr und habe Schmetterlinge im Bauch.

Rimbaud nahm Drogen. Woher weißt du, wie man einen Drogensüchtigen darstellt?

Ich kenne die Stimmungsschwankungen, die Leute, die auf harten Drogen sind, durchmachen. Und ich habe eine Menge von dem Drogenberater gelernt, der uns bei "Jim Carroll" als Ratgeber zur Seite stand. Außerdem bin ich in einer Gegend aufgewachsen, in der Drogen Alltag sind. Schon als Kind habe ich das ganze Elend mitbekommen.

Hast du selbst schon mal Drogen ausprobiert?

Nein, ich habe keine persönlichen Erfahrungen mit dieser Art von Drogen und will auch keine machen! Ich werde niemals Drogen nehmen und auch keinen Trip für eine Rolle ausprobieren.

Denkst du, daß Drogen durch Filme verherrlicht werden?

Das hängt vom Film ab. Ich denke nicht, daß einer meiner Filme Drogen verherrlicht. Die Filme, die ich gespielt habe, handeln immer von der dunkelsten Seite des Drogenmilieus, ich hoffe, sie schrecken ab.

Woher nimmst du den Mut, so extreme Rollen zu übernehmen?

Ich bin sehr offen erzogen worden, konnte über alles reden. Es gab keine Tabu-Themen und deswegen auch keine dunklen Geheimnisse und Ängste. Ich fühl´ mich sehr wohl dabei, Herausforderungen anzunehmen!

Was denken deine Eltern über deine Filme?

Sie sind stolz auf die Rollen, die ich ausgesucht habe. Mein Vater berät mich bei der Wahl. Ich verlasse mich gern auf sein Urteilsvermögen und gebe ihm die Drehbücher zu lesen, die mir angeboten werden. Das hat bis jetzt sehr gut geklappt.

Bereust du, daß du das Angebot fürden neuen Batman-Film abgelehnt hast?

Ich bin froh, daß ich mich bis jetzt von den großen Hollywoodfilmen ferngehalten habe. Man kann seine Energie für sinnvollere Dinge verwenden. Ich kann mich nur verbessrn, wenn ich bei sinnvollen Projekten arbeite, den anderen Quatsch kann ich später immer noch machen.

Nervt es dich manchmal, berühmt zu sein?

Normalerweise macht es mir nichts aus, aber wenn ich Probleme habe, ist eine neugierige Öffentlichkeit ein ziemlich unfairer Druck von außen. Du willst deine Ruhe, aber die gönnt dir keiner.

Hast du Angst vor Negativ-Schlagzeilen in der Zeitung?

Ich weiß, ich muß mich selber beobachen. Dinge, die im Alltag normal sind, erscheinen in der Presse skandalös. Es gibt schon einige Sachen, die ich gerne anstellen würde, wenn ich die Freiheit hätte...

Hast du manchmal Angst, daß dein Erfolg ein Ende hat?

Es ist mir klar, daß in diesem Geschäft über Nacht alles vorbei sein kann. In einer Minute bist du ganz oben und in der nächsten wieder am Boden! Kein Mensch bleibt für immer oben, je eher man das akzeptiert, desto besser.

Hast du Angst, daß dein Talent dich verlassen könnte?

Nein, wenn ich zurückdenke, was ich in der Vergangenheit schon gemeistet habe, dann erkenne ich, daß mein Talent ein Teil von mir ist. Und wenn die Leute sagen: "Ist der schlecht geworden!" werde ich versuchen, das zu ignorieren. Ich weiß, ich bin nicht perfekt, es gibt Tage, da bringe ich nichts Vernünftiges zustande, ich bin auch nur ein Mensch.

Was sind die Vorteile deines Jobs?

Oh, da gibt es schon einiges. Das beste ist, ich bekomme viele kostenlose Sachen zugeschickt, Kleidungsstücke und so etwas. Das ist superpraktisch, denn ich hasse Einkaufen. Oft kann ich´s auch gar nicht brauchen, aber ich finde immer jemanden, der es gerne haben möchte.

Magst du L.A.?

Die Stadt hat auch ihre guten Seiten, ich hasse sie nicht total. Manche Schauspieler lästern die ganze Zeit, wie schlimm es in L.A. ist, aber das ist nicht fair. Es ist wahr, daß ich lieber außerhalb von L.A. arbeite, aber das liegt daran, daß ich neue Orte einfach spannender finde.

Hast du Sinn für Humor?

Oh ja, das hat mich schon einige Male in Schwierigkeiten gebracht. Ich merke oft nicht, wie weit ich gehen darf. Als Kind haben sie mich sogar heimgeschickt, weil ich zu sarkastisch war. Ich habe einen verrückten Massenmörder imitiert und die anderen Kinder tödlich erschreckt. Ich war damals zu jung, um zu kapieren, daß das geschmacklos war.

Würdest du deine Figur für einen Job ändern?

Wenn es unbedingt notwendig ist. Aber niemals würde ich trainieren, um beser auszusehen. Das ist einfach oberflächlich. Wenn du deine Karriere auf´s Aussehen baust, wird es eine kurze Karriere sein, ein neues Gesicht wird kommen und dir die Show stehlen!

Glaubt man dem Zeitungsklatsch, triffst du dich jede Woche mit einem anderen Mädchen...

Übertreibung! Wenn ich ausgehe, treffe ich mich mit Leuten. Wenn ich mit ihnen rede, wird gleich behauptet, daß ich sie regelmäßig sehe. Ich hänge mit ihnen rum und gehe nicht mit ihnen! Wahr ist, daß ich über Girls nachdenke, sehr oft und lange.

Fühlst du dich einsam, wenndu keine Freundin hast?

Ja, aber man gewöhnt sich daran. Ich kann gut alleine sein, das läßt mich zu einer starken Persönlichkeit werden.

Glaubst du an das Schicksal?

Ich denke, es gibt irgendetwas, das uns hilft, unser Leben zu fristen. Ein paar Leute haben mir verrückte Sachen über spirituelle Wissenschaften erzählt, ich weiß nicht, was ich denken soll... Persönlich glaube ich an die Dinge, die um mich herum passieren, und wenn es Liebe ist!

 

 

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