GALA - 2. Februar 2007

 

 

"Ich habe Demut gelernt"

Leonardo DiCaprio hat die Wandlung vom 'Titanic'-Jüngling zum Charakterdarsteller geschafft. Für seine Rolle in 'Blood Diamond darf er sogar auf einen Oscar hoffen.

 

Er lächelt - verschmitzt wie immer, aber diesmal aus einem ganz besonderen Grund. Gerade hat Leonardo DiCaprio erfahren, dass er in diesem Jahr für einen Oscar nominiert ist......

 

Sie waren bereits mehrfach für den Oscar nominiert, haben aber nie einen bekommen. Freuen Sie sich trotzdem über diese neue Chance?

Ja, ich freue mich. Und das ist keine Floskel. Es ist schön, wenn man verdammt hart an einem Film gearbeitet hat und diese Anstrengung anerkannt wird. Was dabei herauskommt, muss ich abwarten.

Wie haben die Dreharbeiten in Südafrika Sie verändert?

Sehr. Dort habe ich echte Demut gelernt. Es gibt in der Regel nicht einmal fließendes Wasser und oft nichts zu essen. Als ich zurückkam, wurde mir einmal mehr bewusst, wie priveligiert wir hier leben.

Was hat Sie am meisten berührt?

Die Waisenhäuser. Dort haben all die Kinder, die ihre Eltern durch Aids, Krieg oder Hunger verloren haben, eine Zukunft. Ich habe erkannt, dass wir wirklich helfen können.

Wie helfen Sie?

Nach den Dreharbeiten habe ich die Patenschaft für ein Waisenmädchen aus Mosambik übernommen.

Um für Ihre Rolle als südafrikanischer Söldner zu recherchieren, haben Sie sich mit bewaffneten Kämpfern getroffen - und sich mit ihnen berunken. Womit?

Mit 'Jägermeister'. Ich habe sogar einige mit sogenannten 'Jägermeister Shots' unter den Tisch getrunken. Wie der Name vermuten lässt, werden die vorher angezündet.

Ich dachte, Sie hätten die Wahl getroffen, weil der Drink aus Deutschland kommt.

Nein, und das Zeug war wirklich heftig. Von den Kopfschmerzen am nächsten Tag wollen wir lieber gar nicht reden.

Dann lassen Sie uns doch über deutsches Essen sprechen. Was essen Sie, wenn Sie das Heimweh nach den Kindertagen in Deutschland überkommt?

Das ist ein Problem, denn in den USA sind die Gerichte lange nicht so gut, wie meine Großmutter sie hinkriegt. Sie ist eine ganz fantastische Köchin. Und ihre Kartoffelpuffer sind dermaßen lecker - meine Leibspeise. Schreiben Sie das ruhig: K-a-r-t-o-f-f-e-l-p-u-f-f-e-r.

Wie oft besuchen Sie ihre Oma?

Wann immer es möglich ist. Ich versuche sie ja zu überreden, bei uns zu wohnen. Aber sie ist nun einmal eine sehr unabhängige Frau von Anfang neunzig. Sie hat ihren eigenen Kopf und ihr eigenes Leben.

Was hält sie von Ihrer Arbeit?

Sie mag einige meiner Filme deutlich lieber als andere (lacht).

Welche denn ?

Sie ist ein großer 'Titanic'-Fan. Oma liebt die Szene, in der ich mit zurückgegelten Haaren die Treppe herunterkomme. Ich glaube, sie würde mich gerne häufiger so in Filmen sehen. Von 'The Departed' war sie weniger begeistert. Das lag wohl daran, dass sie den Film in der englischen Originalfassung gesehen hat und etwas verwirrt von der komplexen Handlung war, obwohl sie eigentlich ganz gut Englisch spricht.

Ihre Großmutter war ja nicht die einzige, die von 'Titanic' begeistert war. Millionen von Mädchen schwärmten anschließend für Sie. In welche Filmstars waren Sie eigentlich als Teenager verknallt?

(zögernd) Ich hatte mein Herz an Claudia Cardinale verloren, nachdem ich sie in "Spiel mir das Lied vom Tod" gesehen hatte. Leider habe ich sie noch nie getroffen.

Würden Sie noch einmal einen Film wie 'Titanic' drehen?

Warum nicht? Die Leute denken immer, ich würde nur noch bestimmte Rollen spielen. Aber das stimmt nicht. Mich interessiert jede Art von Film. Ich habe nur eine Anforderung: Er muss gut sein.

Angeblich wollten Sie nach 'Titanic' die Schauspielerei an den Nagel hängen.

Das habe ich so nie gesagt. Ich wollte nur eine Auszeit nehmen. Irgendwann war ich nämlich an diesen Punkt gekommen, an dem ich mein eigenes Gesicht nicht mehr sehen konnte. Ich musste einfach mal zur Ruhe kommen.

Da wir gerade bei Gerüchten sind: Angeblich sind Sie verlobt?

Sehen Sie? Es wird eine Menge geschrieben. Naja, es sind immer viele Gerüchte im Umlauf, aber dieses spezielle möchte ich wirklich nicht kommentieren.

Wenn also keine Hochzeit, was steht als nächstes auf Ihrem Terminplan?

Eine Dokumentation. Sie heißt 'Die elfte Stunde'. Ich gebe darin Menschen, die sich für die Umwelt engagieren, eine Plattform, um über ihre Projekte zu sprechen. Ich mache mir große Sorgen um unsere Umwelt. Und auf meine eigene kleine Weise möchte ich etwas gegen ihre Zerstörung unternehmen.

Was bedeutet GlücK für Sie?

Weiterzuleben - das bedeutet für mich Glück.

Interview: Christian Aust

 

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