Bunte Nr. 21 - Mai 1999

 

Leonardo, mein kleiner Bruder

Adam Ferrar, ist der Halbbruder von Titanic-Superstar Leonardo DiCaprio und will auch zum Film. Was für ein Typ er ist und was er von Leo hält, verrät er in einem BUNTE-Interview

 

Er ist der drei Jahre ältere Halbbruder von Leonardo DiCaprio, 25, ist genauso blond, genauso blauäugig wie Leo, und ins Filmgeschäft drängt er auch. Kommt da ein neuer Hollywood-Matador auf uns zu? Adam Ferrar sprach mit BUNTE-Mitarbeiterin Daphne Barak über sich und seinen Bruder.

Klären wir erst mal die Familienverhältnisse. Wer ist wer?

Meine Mutter Peggy ist mit George DiCaprio, Leonardos Vater, verheiratet. Leonardos Mutter ist Irmelin. Leonardo und ich waren viel bei seiner und meiner Mutter zusammen.

Angeblich stecken hinter Wunderkindern immer ehrgeizige Eltern. Ist das bei Ihnen und Leonardo auch der Fall?

Bei uns überhaupt nicht. Unsere Eltern haben sehr viel Zeit mit uns verbracht. Sie haben uns nicht mit Geld oder materiellen Dingen verwöhnt, sondern mit Liebe. Leonardos und meine Eltern sind faszinierende Menschen. Sie haben uns so viel wie möglich gezeigt: Museen, Live-Veranstaltungen, Kunstausstellungen.

Welche Schule haben Sie und Ihr Bruder besucht?

Wir sind in unterschiedliche Schulen gegangen, ich in eine staatliche und Leonardo in eine Privatschule.

Warum?

Irmelin, Leonardos Mutter, wollte es so. Leonardo sollte die beste Schule besuchen, und unser Vater George war der gleichen Meinung. Sie haben es auch mir angeboten, aber ich wollte lieber in eine öffentliche Schule gehen - ich war anpassungsfähiger.

Worin unterscheiden Sie beide sich?

Wir haben viel gemeinsam. Wir sind beide sehr extrovertiert, wir brauchen viel Aufmerksamkeit von unseren Freunden. Wir sind sehr unabhängig, sind aber auf der anderen Seite auch sehr angewiesen auf die Kraft, die unsere Eltern uns geben. Ich kann zu jeder Zeit zum Telefon greifen und anrufen.

Wie kam es dazu, daß Sie und Leonardo schon so früh mit der Schauspielerei angefangen haben?

Ich fing durch die Empfehlung eines Freunes damit an, als ich fünf Jahre alt war. Ich wurde gleich von einer Agentur unter Vertrag genommen, drehte Werbefilme für Cornflakes und so was. Leonardo? Es dauerte eine Weile bei ihm.

Wie würden Sie beschreiben, was mit Leonardo passiert ist?

Einfach phänomenal! Mit "Titanic" ging alles so schnell. Alles veränderte sich auf einmal dramatisch. Zum Glück war es eine positive Erfahrung.

Wie hat das Ihre Beziehung beeinflußt?

Ich behalte ihn im Auge. Ich bin beschützender geworden, aufmerksamer, dankbar dafür, einen Menschen zu haben, der einem wirklich etwas bedeutet, dem - Gott bewahre - niemand zu nahe kommen sollte ... Ich meine, die ganze Welt will ihm nahe sein, ihn berühren und sein Leben teilen. Es hat uns also auf jeden Fall enger zusammengeschweißt.

Auch was das wilde Leben betrifft?

Da kursieren eine Menge Mißverständnisse: Leonardo und ich besuchen angeblich Nightclubs, lassen uns in Limousinen chauffieren, sind Partylöwen, die jede Nacht losziehen auf der Suche nach Frauen. Okay, wir sind - wie andere auch - jung. Wir haben nun mal die Möglichkeit, das zu tun, was uns Spaß macht. Aber das tun wir vielleicht eine Nacht in sechs Monaten oder in einem Jahr. Man wird uns in der Boulevardpresse nie in Kunstgalerien oder Museen gehen sehen, was wir die meiste Zeit über wirklich machen.

Möchten Sie irgendwann genauso erfolgreich sein wie Ihr Bruder?

Ich würde gerne Karriere machen. Es ist einfach eine tolle Sache: tun zu können, was man will, Menschen zu unterhalten und ihnen Freude zu machen. Das allein ist schon genug für mich. Erfolg, Geld und Ruhm schaffen auch eine Plattform, seine eigenen Ansichten zu dem, was in der Welt vorgeht, laut sagen zu können.

Was bedeutet Ihnen Ruhm, nachdem Sie so hautnah miterlebt haben, welchen Rummel es plötzlich um ihren Halbbruder gegben hat?

Meiner Meinung nach ist Ruhm sehr schwer zu fassen. Es ist ein Werkzeug, um Geld zu machen. Leute wollen dich verkaufen - also machen sie das Produkt sehr attraktiv, sehr vrführerisch.

Was macht eigentlich einen guten Schauspieler aus?

Ein guter Schauspieler sollte in der Lage sein, etwas auszudrücken. Wenn man ohne Scheinwerfer und laufende Kameras in einem Raum sitzt - beispielsweise in einer Live-Szene - sollte man fähig sein, seine wahre Persönlichkeit zeigen zu können. Empfindsamkeit ist entscheidend. Fähig sein, Kritik annehmen zu können, sich zu verändern, zu wachsen - ein Schüler der menshlichen Natur zu sein.

Ist ihr Bruder ein guter Schauspieler?

Er ist ein unglaublich guter Schauspieler. In jeder Rolle, die ich jemals gesehen habe - ich spreche hier von seinen Filmen, nicht von seinen frühen Sitcoms. Jede einzelne seiner Rollen haut mich um. Ich kenne ihn natürlich, und wir haben diese enge, wundervolle Beziehung. Er ist gut, weil seine ureigensten Gefühle durchbrechen. Er besitzt diese Empfindsamkeit.

Wenn Sie kein Schauspieler wären, was würden Sie dann machen?

Musizieren. Ich spiele seit meiner frühesten Kindheit klassische Geige - bis heute. Vielleicht auch malen ...

Sie haben außer der Schauspielerei noch einige andere Dinge gemacht: zweieinhalb Jahre Army, Japanisch-Studium im Hauptfach. Ihr Bruder hat nur Erfahrungen als Schauspieler. Sind Sie möglicherweise glücklicher dran?

Ja, könnte sein. Daß ich all diese verschiedenen Dinge gemacht habe, hat mir andere Möglichkeiten gegeben, denke ich. Ich habe mich schon gefragt: Was würde mein Bruder ohne den gigantischen Erfolg von "Titanic" heute machen? Aber ich meine, Dinge sind, wie sie sind. Wenn etwas gerade toll läuft, hinterfrage es nicht.

Als der ältere Bruder - sollten Sie es vielleicht nicht doch hinterfragen?

Das ist nicht meine Aufgabe. Er ist ein erwachsener Mann. Ich glaube, daß er für sich selbst sorgen kann. Zur Zeit jedenfalls hat er genug Geld, um für sich selbst sorgen zu können.

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