Quelle: www.berliner-kurier.de/

 

Er spielt einen Rassisten


Schauspieler Leonardo DiCaprio (38) und KURIER-Reporter Dierk Sindermann beim Interview.

 

Leo DiCaprio in „Django Unchained“: Ich bin nicht gern der Fiesling

Ferien für ein Jahr: Ein Traum! Hollywoodstar Leonardo DiCaprio (38) erfüllt ihn sich. Nach drei Filmen hintereinander fühlt er sich ausgelaugt. Der erste Streifen kommt im Januar bei uns ins Kino: „Django Unchained“ – die erste Bösewicht-Rolle für den einstigen „Titanic“-Helden. Und was für eine: Als Plantagen-Besitzer Calvin Candy ergötzt er sich an tödlichen Kämpfen seiner schwarzen Gladiatoren-Riege.

KURIER: Hat es Spaß gemacht, mal einen Erz-Fiesling zu spielen?

Leonardo DiCaprio: Nein, es ist mir schwer gefallen. Ich musste zu einem Rassisten werden, dessen Menschenverachtung und Bosheit grenzenlos sind. Und wenn man sich nicht ganz in die Rolle reinversetzt, dann ist man auf der Leinwand nicht glaubhaft.

Wie wurde Leo zu Calvin?

Ich habe versucht, die Psyche des Mannes zu studieren. Nachzuvollziehen, wieso er Menschen, mit denen er zusammen lebt, als Besitz sehen kann. Ich glaube, er hat die Grausamkeit in seinem tiefsten Inneren damit entschuldigt, dass sein Verhalten in den Südstaaten allgemein akzeptiert war. Calvin Candie ist das Gegenteil von dem, was ich als einen guten Mann bezeichnen würde.

Welche Eigenschaften zeichnen einen guten Mann aus?

Er muss Mitgefühl für andere haben, höflich und bedacht sein und vor allem Menschlichkeit und Güte zeigen.

Sind Sie ein guter Mensch?

Das müssen andere beurteilen.

Bei Calvin Candy geht der Sport bis aufs Blut. Wo hört bei Ihnen der Sport auf?

Ich schaue mir gerne Mixed Martial Arts-Kämpfe an. Aus der amerikanischen Volkssportart Football mache ich mir nichts. Basketball wiederum ist mein Ding.

Haben Sie Hobbys?

Ich bin ein leidenschaftlicher Taucher. Ich habe schon überall auf der Welt nach Korallenriffen und seltenen Arten von Meeresbewohnern gesucht. Unter Wasser bekommt man eine völlige neue Perspektive. Man ist von der normalen Welt abgeschnitten – wie in einer Traumwelt.

Was macht das Leben an Land für Sie traumhaft?

Gute Freunde zu haben und mit ihnen Zeit verbringen zu können. Ich kann mich allerdings kaum noch erinnern, wann meine Kumpel das letzte Mal bei mir zu Hause waren. Das war das schlimmste daran, eineinhalb Jahre nur von Drehort zu Drehort zu jetten. Ich kann es kaum erwarten, wenn ich zu Weihnachten endlich mal wieder alle zusammen trommeln kann.

Wie wird denn bei den DiCaprios gefeiert?

Heiligabend mache ich mit meiner Mutter Geschenke unterm Baum auf. Und den 1. Weihnachtstag verbringe ich mit meinem Vater und dessen Familie. Ganz amerikanisch traditionell.

Sie meinen mit Geschenken im Strumpf und Truthahn-Dinner?

Ja, wobei ich eher italienisches Essen bevorzuge. Pasta in jeder Form. Was natürlich für Hollywood sehr ungewöhnlich ist, weil alle darauf achten, wenig Kohlenhydrate zu essen (lacht).

Abgesehen von Dickmachern, welchen Luxus erlauben Sie sich sonst noch?

Tägliches Duschen (grinst). Im Ernst, ich sehe es als Luxus an, wieder Zeit für Dinge zu haben, die mir wirklich am Herzen liegen.

Die wären?

Meine Arbeit für den Umweltschutz. Ich will mich wieder intensiver um meine DiCaprio-Foundation kümmern. Ich will um die Welt reisen, um die ökologischen Probleme mit eigenen Augen zu sehen. Aber zuerst werde ich mir einfach nur Ruhe gönnen, relaxen und abschalten.

Wo finden Sie Entspannung?

Im Wald.

Bei Ihrer deutschen Abstammung bietet sich der Schwarzwald an?

Ja. Und anschließend ein Stück Schwarzwälder Kirschtorte.

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