POP/Rocky SPECIAL - Januar 1998

Leonardo DiCaprio

Leonardos intime Geständnisse über Liebe, Leidenschaft, heisse Küsse und welche Träume er noch verwirklichen möchte...

Leonardo DiCaprio ist der jüngste Mega-Filmstar, den die Welt je hatte. Kein Tom Cruise, Brad Pitt, Jim Carrey, Tom Hanks und wie sie alle heißen, hatten es mit 23 Jahren schon so weit nach oben geschafft. Und seit seinem Doppelerfolg mit "Titanic" und "Der Mann in der eisernen Maske" kann Leo für seinen nächsten Film sogar eine astronomische 20 Millionen Dollar-Gage fordern. Doch bevor es soweit ist, macht der neue Hollywood-Kronprinz erst einmal Urlaub. Davor lässt Leonardo im intimen POP/Rocky SPECIAL-Interview seine kometenhafte Karriere noch einmal Revue passieren...

 

POP/Rocky SPECIAL: Du hattest in Deinen letzten Filmen ganz schön heiße Liebesszenen. Fällt es dir leicht mit einer Filmpartnerin soetwas zu spielen?

Leonardo: Um ehrlich zu sein, bin ich vor Liebesszenen immer ganz schön nervös. Sich vor einer Kamera nackt auszuziehen oder mit einer Frau so zu tun, als ob man sich liebt, ist mir noch nie leicht gefallen. Aber Gott sei Dank konnte ich in Filmen, wie "Der Mann in der eisernen Maske", "Titanic" und "Romeo & Julia" etwas Erfahrung sammeln.

POP/Rocky SPECIAL: Was geht dir eigendlich so durch den Kopf während einer Liebesszene?

Leonardo: Am besten gar nichts, denn es soll ja spontan wirken. Je mehr man sich darüber Gedanken macht, wie's denn sein soll, desto verkrampfter wird das Ganze dann. Aber wenn man so gute Kuß-Partnerinnen, wie Judith Godrèche ("Der Mann in der eisernen Maske"), Claire Danes ("Romeo & Julia") und Kate Winslet ("Titanic") hat, kann nicht mehr viel schiefgehen. Um ehrlich zu sein: Ich küsse leidenschaftlich gern.

POP/Rocky SPECIAL: Hast du dich eigendlich schon einmal in eine deiner Filmpartnerinnen verliebt?

Leonardo: Während der Dreharbeiten zu "Titanic" hat man Kate Winslet und mir dauernd ein Verhältnis nachgesagt. Wir waren schon fast soweit es tatsächlich zu tun - nur so aus Spaß. Aber wir haben es dann doch gelassen.

POP/Rocky SPECIAL: Und wie war es mit deiner "Julia" Claire Danes?

Leonardo: Als wir "Romeo & Julia" drehten, war Claire gerade mal 15 Jahre alt. Ein bißchen jung für eine Affäre, findest du nicht?

POP/Rocky SPECIAL: Was ist es denn für ein Gefühl, wenn man überall auf der Welt von so vielen Frauen begehrt wird?

Leonardo: Es ist großartig. Als Schauspieler bin ich in erster Linie ja dazu da, den Menschen mit meinen Filmen Freude und Unterhaltung zu bereiten. Und wenn sie mich bei meiner Arbeit gut finden, ist das natürlich fantastisch.

POP/Rocky SPECIAL: Wie kommst du denn eigentlich mit deiner ungeheuren Popularität klar?

Leonardo: Mir schwirrt schon manchmal ganz schön der Kopf. In Amerika kann ich mich kaum noch in der Öffentlichkeit blicken lassen. Überall werde ich gleich erkannt und die Leute wollen ein Autogramm von mir. Ich hätte nie gedacht, daß ich so viele Fans habe.

POP/Rocky SPECIAL: Kannst du überhaupt noch ruhig schlafen?

Leonardo: Man darf sich um Himmels willen nicht selbst so ernst nehmen. Ich glaube nicht, daß ich jemals in die Falle tappen werde, mich selbst für den Größten zu halten. Das wäre mit Sicherheit der direkte Weg in die Klapsmühle. Gott sei Dank bin ich von Menschen umgeben, die es gut mit mir meinen und denen ich vertrauen kann, wie meiner Mutter oder meiner Oma.

POP/Rocky SPECIAL: Warst du sehr enttäuscht, daß du für deine "Titanic"-Rolle nicht für den Oscar nominiert wurdest?

Leonardo: Ich mache mir darüber keine Gedanken. Es wird schon für etwas gut sein. Ich fühle mich sehr geehrt, daß ich bei einem so historischen Filmereignis, wie "Titanic" dabei sein durfte. Das passiert nicht alle Tage. Dieses Erlebnis ist sicher etwas, das ich meinen Enkelkindern noch erzählen werde. Ich hoffe, daß ich in den Filmen, die noch vor mir liegen, wieder einmal eine so tolle Rolle spielen darf. Vielleicht habe ich ja dann mehr Glück mit dem Oscar. Außerdem bin ich heute noch sehr dankbar, daß ich 1994 eine Nominierung als bester Nebendarsteller für "Gilbert Grape - Irgendwo in Iowa" bekommen habe.

POP/Rocky SPECIAL: In deinem neuen Film "Der Mann in der eisernen Maske" spielst du eine Doppelrolle. War das eine besondere Herausforderung für dich?

Leonardo: Auf jeden Fall. Vor allem, daß ich einen guten und einen bösen Menschen gleichzeitig darstellen konnte, war ungeheuer aufregend für mich. Ich habe meinen Kollegen Jeremy Irons, der in David Cronenbergs Film "Die Unzertrennlichen" auch einmal eineiige Zwillinge gespielt hat, gefragt, wie ich die Rolle denn anlegen sollte. Er hat gelacht und geantwortet: "Der Trick ist, beide genau gleich zu spielen."

POP/Rocky SPECIAL: "Der Mann in der eisernen Maske" hat eine Super-Besetzung. Neben Jeremy Irons noch John Malkovich, Gabriel Byrne und Gérard Depardieu. Gab es manchmal Ego-Probleme am Set?

Leonardo: Überhaupt nicht. Wir haben uns von Anfang an respektiert und es entwickelte sich eine tolle Kameradschaft. John Malkovich hat mir zum Beispiel das degenfechten beigebracht und Jeremy Irons war der beste Reiter. Von ihm habe ich mir diesbezüglich viele Tricks abgeschaut. Jeremy war wirklich das beste Musketier. Aber kein Wunder: Er züchtet bei sich zu Hause in Irland Rassepferde.

POP/Rocky SPECIAL: Wie bist du denn mit Gérard ausgekommen?

Leonardo: Gérard Depardieu war der witzigste von allen. Es verging kein Tag, an dem er nicht seine wilden Späße abgezogen hätte. Und er hat uns einmal alle auf sein Weingut eingeladen, wo wir ganz köstlich bewirtet wurden. Ich glaube, ich hatte hinterher von dem vielen Wein ganz schön einen sitzen. (lacht)

POP/Rocky SPECIAL: Trinkst du gerne Alkohol?

Leonardo: Eigendlich überhaupt nicht. Deshalb hatte der Wein bei mir ja so eine starke Wirkung. Ich brauche keinen Alkohol um gut drauf zu sein. Ich kann auch so meine Kollegen parodieren oder meine super-coole Michael-Jackson-Moonwalker-Nummer abziehen.

POP/Rocky SPECIAL: Du trägst den halben Film über eine Maske. Wie hast du dich denn damit gefühlt? War die wirklich aus Eisen?

Leonardo: Nein, sie war aus Acryl und deshalb nicht ganz so schwer. Aber als ich sie einmal ununterbrochen einen halben Tag lang tragen mußte, bekam ich ganz schön Platzangst.

POP/Rocky SPECIAL: Im Film wirst du nach langen Jahren im Gefängnis von den Musketieren befreit...

Leonardo: ...was für mich eine Schlüsselszene ist. Ich habe mich sehr intensiv darauf vorbereitet. Ich las zum Beispiel eine Biographie über den großen Führer der Schwarzen in Südafrika, Nelson Mandela. Ich war fasziniert von seiner Stärke und seinem Willen, den sie ihm während seiner Zeit im Gefängnis nicht haben brechen können. Ich glaube, ich wäre da längst verrückt geworden.

POP/Rocky SPECIAL: Du bist ein ungeheuer leidenschaftlicher Schauspieler. Glaubst du die Schauspielerei liegt dir im Blut?

Leonardo: Kann sein, darüber habe ich noch nicht nachgedacht. Aber von einem sollte man sich nicht täuschen lassen: Was oft leicht aussieht, ist meistens knochenharte Arbeit.

POP/Rocky SPECIAL: Schon mit 14 Jahren hast du mit der Schauspielerei angefangen...

Leonardo: ...das war der pure Neid! Ich habe gesehen, wie mein älterer Bruder mit Werbespots viel Geld verdient hat. Da habe ich mir gedacht, das kannst du auch - und zwar besser. (lacht)

POP/Rocky SPECIAL: Dein Selbstbewußtsein hat sich voll ausgezahlt.

Leonardo: Als ich mit der Schauspielerei anfing hatte ich das große Glück, daß man mich für Filme haben wollte, die mehr Niveau hatten, als die üblichen Popcorn-Movies. Irgendwann muß ich mich dann wohl mit dem Schauspielvirus infiziert haben. Plötzlich war mir das Geld nicht mehr so wichtig. Ich wollte nicht abzocken, sondern einfach nur gut sein und mich als Schauspieler weiterentwickeln.

POP/Rocky SPECIAL: Das wollen viele und schaffen es nicht. Welcher Film hat dir den richtigen Kick gegeben?

Leonardo: "This Boy's Life" mit Robert de Niro! Ich war schon immer ein großer Fan von ihm. Und mit so einem großartigen Schauspieler vor der Filmkamera zu stehen, war schon der absolute Hammer. Robert ist im Laufe der Zeit so etwas wie ein Mentor für mich geworden. Und dann kam "Gilbert Grape - Irgendwo in Iowa" mit Johnny Depp. Was für ein Typ! Dank Robert und Johnny habe ich so ungefähr die beste Schauspielausbildung, die man sich wünschen kann.

POP/Rocky SPECIAL: Du hast bisher also noch keine einzige Stunde Schauspielunterricht genommen?

Leonardo: Das ist richtig, ich spiele aus dem Bauch heraus.

POP/Rocky SPECIAL: Wie reagieren deine Schauspieler-Konkurrenten, wenn du beim Vorsprechen für eine Rolle immer als Sieger den Platz verläßt?

Leonardo: Neider gibt es natürlich jede Menge. Aber ich habe glücklicherweise auch sehr gute Freunde, auf die ich mich hundertprozentig verlassen kann. Sogar welche im Filmbusineß, wie Juliette Lewis ("Natural Born Killers") oder Marky Mark ("Jim Carroll - In den Straßen von New York). Die beiden sehe ich zwar nicht sehr oft, aber ich weiß, daß ich ihnen absolut vertrauen kann.

POP/Rocky SPECIAL: Wie würdest du dich selbst beschreiben?

Leonardo: Ich bin definitiv ein rationaler Mensch, der sehr viel nachdenkt und sich nicht so schnell von seinen Gefühlen leiten läßt. Ich habe gern die Kontrolle über das, was um mich herum passiert. Das mag viele überraschen, da ich in meinen Filmen meist die gefühlsbetonten, etwas abgedrehten Typen darstelle. Aber das ist die alte Geschichte: Man sollte nie einen Schauspieler mit der Figur verwechseln, die er spielt. Der Leonardo DiCaprio privat hat absolut nichts mit den Typen auf der Leinwand gemein.

POP/Rocky SPECIAL: Wann hast du denn das letzte Mal richtig Angst gehabt?

Leonardo: Als ich mit meinem Vater am Barriere-Riff in Australien getaucht bin. Da haben wir tatsächlich ein paar Haie gesehen. Da ging mir ganz schön die Muffe! Tauchen an einem Korallenriff ist überhaupt das höchste für mich. Ich habe schon Tauchgänge in Hawaii, Mexiko und eben in Australien gemacht.

POP/Rocky SPECIAL: Erzähl mal, was ist denn dein Traum vom absoluten Glück?

Leonardo: Ich habe da eigendlich keine bestimmten Vorstellungen. Nur soviel ist klar: Ich will das Leben vor dem Tod bis zur allerletzten Sekunde auskosten. Es ist noch gar nicht solange her, da ist mein Opa gestorben. Das war ein echter Schock für mich. Das mußte ich erstmal verarbeiten. Obwohl ich erst 23 Jahre alt bin, habe ich nämlich Angst vor dem Tod. Ich würde gern für immer leben. Früher habe ich gedacht, daß ich einfach alles erleben muß. Ich wollte unbedingt jedes Land der Erde bereisen, viele berühmte Menschen kennenlernen und soviele unterschiedliche Erfahrungen wie irgend möglich machen. Aber in letzter Zeit kommt mir immer öfter in den Sinn, was mir mein Vater einmal gesagt hat: "Solange du jeden Morgen aufstehen kannst und die Sonne am Himmel siehst, solange kannst du dich am Leben freuen!"

POP/Rocky SPECIAL: "Lebe schnell - sterbe jung" war lange Zeit das coolste Motto im Rock- und Showbiz...

Leonardo: ...womit ich allerdings überhaupt nichts anfangen kann. Ich bin ein ganz normaler Typ. Ich hänge mit meinen Freunden herum, spiele so oft es geht Basketball, höre gerne Soulmusik von Stevie Wonder oder Rock'n'Roll von Led Zeppelin und jage meinen Jeep den Sunset Strip in Los Angeles rauf und runter. Bevor ich mich jedenfalls mit 24 in einem Porsche auf dem Highway - wie James Dean - zerbröseln lasse, linke ich mich lieber aus dem schnellen Leben aus. Ich will steinalt werden und als Tattergreis im Schaukelstuhl sterben.

POP/Rocky SPECIAL: Beantwortest du eigendlich deine Fanpost selbst?

Leonardo: Früher habe ich jeden Brief selbst beantwortet. Aber seit einiger Zeit ist das einfach zuviel geworden. Das schaffe ich nicht mehr alleine. Wenn mich meine Oma Helene aus Deutschland in Los Angeles besucht, liest sie mir nicht nur aus meiner Fanpost vor, sondern hilft mir auch den einen oder anderen Brief an meine deutschen Fans zu schreiben. Meine Oma ist wirklich die coolste Oma auf der Welt!

POP/Rocky SPECIAL: Sprichst du eigentlich deutsch?

Leonardo: Leider nicht so gut, wie ich gerne wollte. Aber ich versteh's ganz gut.

POP/Rocky SPECIAL: Wenn du einen Wunsch frei hättest - was würdest du dir wünschen?

Leonardo: Das ist wirklich eine sehr schwierige Frage. Es gibt da so vieles, was ich mir wünsche...für mich, meine Eltern, meine Freunde...Aber im Grunde genommen wäre ich gerne noch einmal so unbeschwert und frei, wie ich als Teenager war. Den ganzen Tag nur Fun haben - und nicht an die Konsequenzen denken müssen. Aber ich weiß genau, daß das schon lange nicht mehr geht.

POP/Rocky SPECIAL: Wie sieht es denn mit einem neuen Film-Projekt aus? Hast du schon eins auf Lager?

Leonardo: (lacht) Oh, ja! Ich spiele in dem Film FERIEN die Hauptrolle. Und darauf freue ich mich riesig. Vielleicht mache ich wieder Urlaub auf Kuba, wie schon vor ein paar Wochen.

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