Cinezone - 28.8.2002
Alexander: Baz Luhrmann will Leonardo DiCapprio
Schon mehrfach haben wir über die geplanten "Alexander, der Große" Verfilmungen berichtet - jedes
Mal mit einer neuen überraschende Wendung im Wetteifern der rivalisierenden Projekte. Sah es
zunächst so aus, als hätten Martin Scorsese und Leonardo DiCaprio die Nase vorn, wurde ihr
Vorhaben einige Monate später von Oliver Stones Projekt überflügelt. Der "JFK"-Regisseur sah sich
kurz darauf von Baz Luhrmann ("Moulin Rouge") überholt. Und Luhrmann zaubert jetzt den nächsten
Coup aus dem Hut: Sein Hauptdarsteller heißt Leonardo DiCaprio.
Da kann man zugegebenermaßen schon die Übersicht verlieren. Rollen wir die Alexandermanie also
noch einmal kurz auf. Projekt 1 ging mit Martin Scorsese als Regisseur und Leonardo DiCaprio an
den Start. Projekt 2 wies Oliver Stone als Inszenator und zunächst Heath Ledger ("Ritter aus
Leidenschaft") als Alexander aus. Inzwischen will Stone aber Colin Farrell ("Das Tribunal") auf
den Thron heben. Am Steuer von Projekt 3 steht Baz Luhrmann mit Dino De Laurentiis als Produzenten
und Ted Tally ("Das Schweigen der Lämmer") als Drehbuchautor im Rücken. Zwischenzeitlich wollte
Mel Gibson noch eine "Alexander"-Miniserie drehen, doch ist aus diesem Plan inzwischen die Luft
entwichen.
Luhrmann will schon Anfang kommenden Jahres in Marokko die Kameras aufstellen. Dabei kann er sich
der tatkräftigen Unterstützung König Mohammed VI sicher sein, der nach der Zusage De Laurentiis,
ein Filmstudio zu bauen, 5000 Soldaten und 1000 Pferde für die Dreharbeiten abstellen will. Nur an
einem Hauptdarsteller fehlte es dem Projekt noch. Also mutmaßten wir in unserem letzten "Alexander"
Bericht, Luhrmann könne seinen Titelhelden ja aus den Reihen der strauchelnden Konkurrenzprojekte
rekrutieren. Und genau das ist jetzt geschehen.
Luhrmann und De Laurentiis wollen sich Scorseses Star Leo DiCaprio für ihren "Alexander" Film
"ausborgen". "Wenn er sagen kann: 'Ich bin der König der Welt', dann kann er sicher auch die Welt
beherrschen", mein Co-Produzentin Martha De Laurentiis. "Er ist Alexander. Er ist so ein
großartiger Schauspieler und er kann diese Rolle tragen." Der "Titanic"-Star stand in dem Musical
"Romeo+Julia" schon einmal für Luhrmann vor der Kamera. Aber er pflegt auch eine enge Verbindung
zu Scorsese: Nach "Gangs of New York" wollen der Schauspieler und der Regisseur unbedingt noch
einmal zusammen arbeiten.
Sollte DiCaprio nun zum Konkurrenzvorhaben überlaufen, wird sich sein Verhältnis zu Scorsese
dennoch nicht verschlechtern. Der Filmemacher erwägt sogar, es seinem Star gleichzutun und
ebenfalls die Seiten zu wechseln. Scorsese könnte nicht nur als Produzent an Bord kommen,
eventuell wird man sogar das Drehbuch seines Projekts mit dem von Ted Tally geschriebenen
kombinieren.
Für Oliver Stone sind das beunruhigende Neuigkeiten. Bei geschätzten Produktionskosten von 140
Millionen sehen Insider für seinen Film nur noch eine Chance: Er muss früher in Produktion gehen
als Luhrmann, sonst wird das finanzierende Studio Intermedia aller Wahrscheinlichkeit nach den
Notaus-Schalter betätigen. Und derzeit sieht es nicht so aus, als könnte Stone tatsächlich den
Terminplan des Luhrmann/DiCaprio/ Scorsese Films toppen.
Während sich die Gewitterwolken über Stone zusammenziehen, hellt sich der Blick des
"Memento"-Machers Chris Nolan auf. Der Regisseur und Drehbuchautor plant mit Jim Carrey eine
Biographie über den Medienmogul Howard Hughes. Was das mit den "Alexander"-Filmen zu tun hat?
Ganz einfach: DiCaprio und Scorsese haben parallel zu "Alexander" ebenfalls einen Hughes-Film
entwickelt. Sollten sie aber nach Marokko auswandern, müssten sie diesen Film vorerst verschieben.
Das wiederum würde Nolans Konkurrenzvorhaben neuen Wind in die Segel blasen.
Und da sage noch einer, hinter der Kamera gehe es weniger turbulent zu als vor derselben.
Quelle: Cinezone
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